Kein Herzschmerz wegen verlorener Daten
Die Zucker-Herzen lügen: Nichts ist für immer, auch Daten nicht
Das gilt nicht nur für Fotos: Auch digitale Filme, Musik und Textdokumente sind nicht für immer. Weil die Medien, auf denen wir sie speichern, nur eine begrenzte Lebensdauer haben. Eine Festplatte im Dauereinsatz kann z.B. schon nach wenigen Jahren den Geist aufgeben. Und selbst Festplatten, die nur zum Archivieren gebraucht werden, halten keine Ewigkeit (dasselbe gilt für CDs, USB-Sticks und Speicherkarten, wie diese Liste zeigt).
Was tun also, damit auch die Urenkel noch sehen können, wie schick wir einst auf den Bildern unserer Digital-Kamera ausgesehen haben? Ein Trick, der nicht nur fürs Langzeitspeichern gilt: Daten auf möglichst viele Orte verteilen. Also gleich auf mehreren Festplatten speichern und zur Sicherheit auf CD brennen. So besteht die Chance, dass eine kaputt gegangene Datei an anderer Stelle noch als funktionierende Kopie vorhanden ist.
Umkopieren und auf dem neusten Stand halten
Doch damit ist die Arbeit nicht erledigt: Weil digitale Speichermedien je älter desto fehleranfälliger werden (nochmal die Liste), müssen die Daten von Zeit zu Zeit auf einen neuen Träger umkopiert werden. Bei der Gelegenheit kann man gleich auch kontrollieren, ob die Daten noch in einem aktuellen Format vorliegen. Denn selbst ein perfekt erhaltenes File nützt wenig, wenn kein Programm mehr existiert, das es lesen kann.
Wer vorausschaut, sichert zusammen mit den Daten also gleich noch eine Kopie des Programmes, das nötig ist, sie zu lesen. Und hofft, dass es in Zukunft noch Computer und Betriebssysteme gibt, die mit dem Programm umgehen können.
Welches Format für welche Datei?
Wichtiger aber: Seine Daten nicht in exotischen Formaten speichern, sondern weit verbreitete zu wählen. Von denen ist anzunehmen, dass sie auch in ferner Zukunft noch gebraucht oder zumindest gelesen werden können. Auch proprietäre Formate - also Dateiformate, die an einen bestimmten Anbieter gebunden sind - sollten wenn möglich vermieden werden. Denn mit dem Anbieter kann auch das Dateiformat verschwinden.
Textdokumente speichert man darum am besten als simples Text-File (.txt), das von den verschiedensten Anwendungen gelesen werden kann. Sollen Textformatierungen erhalten bleiben, kann auch das Rich Text Format helfen (.rtf). Bei Musik ist wohl das MP3-Format der sicherste Tipp, das dank seiner weiten Verbreitung nicht so schnell verschwinden wird.
Schwierig: Bilder und Filme
Schwieriger wird es bei Bildern: PNG ist ein offenes Format, das Bilder verlustfrei speichern kann. Allerdings wird es nicht von jeder Software unterstützt. Was die Verbreitung angeht, ist deshalb JPG das bessere Format. Und wer auf Nummer sicher gehen will, druckt sich seine liebsten Bilder auch noch auf Fotopapier aus.
Noch schwieriger wird es bei Filmen: Hier lässt sich kaum sagen, welche Formate in Zukunft Bestand haben. Öffentliche Institutionen wie Archive und Bibliotheken - die auch vor dem Problem stehen, ihre digitalen Bestände für die Ewigkeit zu sichern - wählen das Motion JPEG-Format (MJPEG), das aber sehr viel Speicher braucht. Private Anwender fahren wohl besser, wenn sie ihre Filme gleich in mehreren Formaten speichern (im MPEG-2 oder Quicktime-Format oder als .avi-File zum Beispiel).
Speicher-Dienste sind nicht für ewig
Nun kann man denken: «Was kümmern mich kaputte Dateien und in Vergessenheit geratene Datei-Formate - ich lade meine Fotos, Filme und Dokumente einfach zu Flickr, Youtube und Google-Docs hoch und gut ist!» Doch kann höchstens eine Teil-Lösung sein, im Rahmen der Mehrfach-Kopien-Strategie (siehe oben). Denn es gibt keine Garantie, dass diese Speicher-Dienste ewig existieren. und oft ist im Vornherein nicht klar, wie im Fall einer Schliessung die hochgeladenen Daten wieder zurückgeholt werden können.
Jürg Tschirren
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