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Freitag, 3.8.2012

Computer vernichtet 10 Millionen Dollar pro Minute

Mehr als die Hälfte aller Aktien werden nicht von Menschen, sondern von Computerprogrammen gehandelt. Was passiert, wenn ein solcher Algorithmus durchdreht, musste das Unternehmen «Knight Capital» nun erfahren.

Ein Händler von Knight Capital an der New York Stock Exchange (Foto: Brendan McDermid / Reuters)

Bots - Unsichtbare Entscheidungsträger

Input vom Sonntag, 5.8.2012, 20.03 Uhr, DRS 3

Am Mittwoch herrschte an der Börse in New York bei Handelsbeginn Chaos: Über 150 Aktien von kleinen und grossen Unternehmen wurden aussergewöhnlich stark gehandelt. Erst nach 3/4 Stunden wurde der Handel dieser Titel eingestellt.

Danach gab der Börsenhändler Knight Capital bekannt, dass ein Fehler eines ihrer Computersysteme für den übermässigen Handel verantwortlich war. Wie der Fehler genau zustande kam, ist nicht bekannt. Spekuliert wird, dass sich Algorithmen in einander verbissen. Ein stark vereinfachtes Beispiel wäre, dass ein Algorithmus einen Titel immer kauft, wenn dieser unter 3 Dollar fällt; ein anderer aber bei der gleichen Grenze verkauft; und diese so in eine unendliche Schleife rutschen.

440 Millionen Dollar Verlust
Die Folgen des Fehlers für Knight Capital sind gravierend. In der Nacht auf heute musste das Unternehmen bekannt geben, einen Verlust von 440 Millionen Dollar erlitten zu haben - fast doppelt so hoch wie der gesamte Umsatz des Unternehmens im letzten Quartal. Der fehlgeleitete Algorithmus kaufte wild Titel auf und trieb damit deren Preis in die Höhe. Knight Capital musste diese Aktien nun wieder zu einem tieferen Marktpreis verkaufen. Dazu brach die Aktie von Knight Capital selbst ein, von rund zehn Dollar am Dienstag auf zweieinhalb Dollar heute Freitag.

Computerfehler untergraben Vertrauen
Der Computerfehler bei Knight Capital ist nicht der erste seiner Art. Dadurch wird das Vertrauen der Anleger in amerikanische Aktienhändler immer mehr geschwächt. In den letzten zwei Jahren wurden gemäss Schätzungen deswegen über 300 Milliarden Anlegevermögen abgezogen.

Deshalb wird nun überlegt, wie man den Schaden eingrenzt, den Algorithmen anrichten können. Die wohl vielversprechendste Idee ist, Käufe und Verkäufe von Computerprogrammen speziell zu kennzeichnen. So könnte man deren Handeln von echten Menschen unterscheiden - und schneller reagieren, wenn der nächste Algorithmus durchdreht.

Mehr zu Algorithmen und Bots im Finanzbereich, aber auch anderswo, in der Sendung «Input» auf DRS 3, am Sonntag, 5.7.2012, 20:00:

Input: «Bots - Unsere unsichtbaren Entscheidungsträger»

Guido Berger

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