Wir sind Fan des FC Favre
Dank ihm sind wir Bundesliga-tauglich: Lucien Favre.
Die Fans sind der 12. Mann auf dem Platz. Diese Fussball-Weisheit trifft zu, wenn Anhänger derart enthusiasmiert dem klassischen Fan-Handwerk nachgehen wie die Fans von Borussia Mönchengladbach.
Sie klatschen und johlen so begeistert, dass sogar der Rasen schneller wächst als normal. Das beflügelt die Borussen derart, dass sie nicht nur erfolgreich sind, sondern an guten Tagen Fussball regelrecht zelebrieren. Wie beim 3:0 gegen den 1.FC Köln in der jüngsten Bundesliga-Runde.
Chapuisat, Sforza, Benaglio
Borussia spielt mit dem Gegner Katz und Maus. Tiki Taka Fussball. Ein Ballberührung und weiter geht`s. Das gepflegte dreifache Doppelpässchen. Das verzückt den Fussball-Fan dermassen, dass sich auch Nicht-Gladbacher im Geiste das Borussen-Trikot überziehen.
Dass aber in so mancher Schweizer Stube der Fussball-Interessierte ebenfalls dem Bundesligisten Borussia Mönchengladbach die Daumen drückt, hat einen anderen Grund: Lucien Favre.
Bis dass der Tod euch scheidet
Er ist der Schweizer Trainer-Export der Stunde. Dank ihm spielt quasi eine Schweizer Mannschaft in der prestige-trächtigen Bundesliga mit. Dank ihm können wir «unserer Bundesliga-Mannschaft» die Daumen drücken.
Mönchengladbach hat also dank Favre so manchen neuen Fan in der Schweiz. Die These sei allerdings gewagt: Die Verbundenheit wird nur so lange halten, wie Favre in Mönchengladbach unter Vertrag steht.
Fähnlein im Wind
Während der «echte Fan» sich 10 Mal lieber von seiner Frau als von seinem Lieblingsklub scheiden lässt, ist der Wechsel-Fan wie das Fähnlein im Wind. Und fühlt sich gut dabei.
Der Wechsel-Fan hat zu Aktiv-Zeiten von Stéphane Chapuisat für Borussia Dortmund gejubelt. Eventuell sogar für Kaiserslautern mit Ciriaco Sforza. Nächste Station: Wolfsburg mit Diego Benaglio.
Allez FC Favre
Schliesslich: Hertha Berlin mit Lucien Favre auf der Trainerbank. Bleibt die Frage: welcher Fan-Typ hat wohl mehr vom Fussball? Der hartgesottene Fan oder der Opportunist? Antwort: Theoretisch der hartgesottene Fan.
Weil der Erfolg umso süsser ist, wenn er durch den loyalen Marsch durchs Jammer-Tal erlitten worden ist. Blöd nur, wenn`s nie etwas zu bejubeln gibt. Praktisch gesehen hat demnach der opportunistische Wechsel-Fan die Nase vorne. Allez FC Favre.

Kommentare zu diesem Artikel:
Montag, 16.4.2012, 18.20 Uhr: Sascha Mumi via Facebook
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