Kultivierte trinken Bier
Die Karriere als Bier-Sommelier ist vorgezeichnet. (cic)
«Gib mir mal ne Flasche Bier», eierte einst der deutsche Kanzler Gerhard Schröder, um Volksnähe zu demonstrieren. Wir gönnen Politikern derlei Statements. Und doch ist es an der Zeit, Bier nicht länger auf seine Rolle als flüssig gewordene Bodenständigkeit zu reduzieren.
Natürlich: Nach harter Arbeit ist die ehrliche Stange weiterhin eine Option. Nachdem man z.B. eigenhändig die Autobahn zwischen Genf und St.Gallen neu asphaltiert hat. Oder mit einer Powerpoint-Präsentation grausam gut performt hat.
Echte Volkskultur
So war das. Und so wird das bleiben. Doch es weht auch ein neuer Wind durchs Land. Hissen wir die Bierfahne und gucken uns das näher an. Ähnlich wie bei Wein-Afficionados geht es den Freunden von Spezial-Bieren nicht so sehr um das Durstlöschen oder den Rausch.
Vielmehr sind Tradition und Handwerkskunst wichtig. Und das Aufspüren von feinen Unterschieden und regionalen Besonderheiten. Wir sprechen von Spezial-Bieren. Von Amber- und Gewürzbieren, dunklen malzigen Varianten oder von Starkbieren mit Volumenprozenten wie Wein.
Biertrinker sind kultiviert
Dass eine solche Bier-Auswahl auf die Karte jeder guten Beiz gehört, ist in einer Bier-Hochkultur wie Belgien seit jeher klar. Das ist echte Volkskultur. Langsam aber sich spricht sich das auch in hiesigen Breitengraden herum.
Übrigens: Die neuen Biere trinkt man wenn immer möglich aus dem Glas. Und auf keinen Fall eiskalt, sondern nur gut gekühlt. Dabei entfalten sich die Aromen besser. Manche Brauerei entwickelt auch schon eigene Glasformen, die das jeweilige Bier optimal zur Geltung bringen sollen.
Obergärig, intensiv, aromatisch
«Ein Spezialbier ist auch ein Stilmittel. Es zeigt, dass man kultiviert ist. Dass man gerne Neues probiert. Dass man gerne Geschichten kennt», sagt DRS 3 Stil-Sheriff Jeroen van Rooijen.
Jeroen van Rooijens aktuelle Favoriten:
1. Ein honigfarbenes Amberbier, etwa das Original von Ittinger Klosterbräu, das heute im Besitz von Heineken ist.
2. Ein trübes, frisches Naturbier mit spritzigem Charakter wie das sympathische Quöllfrisch aus Appenzell.
3. Ein obergäriges, fruchtiges Bier im deutschen oder belgischen Stil wie das Start von der hippen Zürcher Turbinenbräu.
4. Das schön dunkle, aromatische und intensive Trappistenbier Chimay aus der gleichnamigen belgischen Klosterbrauerei.
5. Den alkoholstarken holländischen Dampfhammer Maximator von Amsterdam Beer, die zu Grolsch und damit zu Miller gehört und einfährt wie Grappa.
Jeroen van Rooijen/ Robin Alder

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