Bruno Moretti: «Die italienische Sprache hat einen wirtschaftlichen Wert!»
Kämpft für die italienische Sprache: Der Sprachwissenschafter Bruno Moretti.
Prof. Bruno Moretti vergleicht, forscht und gibt wichtige Informationen an die Politiker weiter: «Unsere Aufgabe ist es in erster Linie, die Lage der italienischen Sprache in der Schweiz zu beschreiben und die Informationen an die Politiker weiterzuleiten», so der Direktor des Osservatorio linguistico della Svizzera italiana.
Der wirtschaftliche Wert der Sprache
Man wisse beispielsweise, dass die Sprache einen wirtschaftlichen Wert habe. «Wir gehen unter anderem der Frage nach, in wie vielen Stelleninseraten Italienisch vorkommt, welche Stellen in dieser Sprache ausgeschrieben sind und welchen Stellenwert Italienisch im Vergleich zu den anderen Sprachen hat», so Moretti weiter.
Die italienische Sprache hat es in der Schweiz zwar schwer, doch eine Motivation, die Sprache zu lernen, können beispielsweise Stellenausschreibungen sein: «Wenn man in seinem Lebenslauf Italienisch angeben kann, kann man mehr Lohn fordern. Das kann durchaus eine Motivation sein, die Sprache zu lernen.»
Unterschiede und Sprachmissverständnisse
Bei uns sind es die Deutschen, im Süden sind es die Italiener. Wir Deutschschweizer dürfen ganz offiziell ein anderes Hochdeutsch sprechen, unsere Helvetismen brauchen. Konkretes Beispiel: «grillieren» anstatt «grillen». Den Helvetismus gibt es auch in der italienischen Schweiz. «Es gibt Wörter, die aus dem Deutschen abgeleitet wurden und zur Realität der Schweiz gehören. Und diese Wörter können durchaus für Verwirrung sorgen.
«Zu den Klassikern gehören die Unterschiede, die mit den Institutionen verbunden sind. Beispielsweise dass wir mit dem Postauto reisen.» Im Tessin bezeichne man das Postauto mit «La posta»; in Italien hingegen stehe dieser Begriff für die Post, so der Sprachwissenschaftler.
Tessiner-Italienisch versus Hoch-Italienisch
Sprachunterschiede wie wir sie im Deutsch kennen, gibt es auch in der italienischen Sprache: «Der Unterschied zwischen dem Tessiner-Italienisch und dem Hoch-Italienisch ist etwa so gross wie der Unterschied zwischen der Deutschschweiz und Deutschland.» Teilweise gäbe es andere Wörter und es gäbe Unterschiede in der Aussprache. Die Verständigung klappe trotzdem wie am Schnürchen.
Als Deutschschweizer hat man oft Hemmungen, sich im Hochdeutsch sicher und ohne Akzent auszudrücken. Im Italienischen bestehen diese Probleme hingegen nicht: «Früher war das schon so, doch das hat sich verändert. Die jüngere Generation im Tessin hat heute sogar oft das Gefühl, das ihr Italienisch besser ist als das der Italiener.
