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Sonntag, 27.5.2012

Taxifahrer erzählen aus dem Nähkästchen

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wer täglich dutzende kleine Reisen auf sich nimmt, könnte mit seinen Erlebnissen locker ein ganzes Buch füllen. Zwei Taxifahrer erzählen uns von pöbelnden Fahrgästen, prominenten Passagieren und ihrer – unbezahlten – Nebenbeschäftigung als Beichtväter.

Ob als Passagier oder am Steuer: Wer Taxi fährt, hat einiges zu erzählen. (colourbox)

Bruno Friedmann ist 78 und arbeitet in Zürich. 1964 transportierte er seinen ersten Fahrgasst. Als Taxifahrer kennt er die Stadt wie seine Jackentasche. Ende Monat lässt er lässt er sich nach 48 Dienstjahren pensionieren.

Bescheidener Ex-Bundesrat
In all den Jahren hat er viele Promis als Gäste chauffiert. Darunter auch einige Würdenträger, wie den Fürsten Hans-Adam von und zu Lichtenstein oder Moritz Leuenberger, der stets darauf bestand, seine Koffer selber zu tragen. «Ihn habe ich oft rumgefahren: Ein einfacher Mensch, wie du und ich.»

Doch längst nicht alle Passagiere waren so pflegeleicht wie der ehemaligen Bundesrat. Vorige Woche hat der Taxifahrer eine ältere Dame gefahren, die – gemäss seinen Worten – wie eine Sau gestunken habe. «Ich kann einiges ertragen, aber dieser Geruch war einfach nur furchtbar.» Die Duftnote der Frau, war sogar für den abgebrühten Taxifahrer zuviel: «Die nächste Stunde musste ich trotz Regen mit offenen Fenstern herumfahren.»

Tour de Suisse per Taxi
Seine längste Fahrt nahm gleich einen ganzen Arbeitstag in Anspruch. Als er frühmorgens ins Grand Hotel Dolder geordert wurde, hätte er kaum damit gerechnet, dass er eine Frau aus Dubai während 14 Stunden quer durch die Deutschschweiz kutschieren würde.

Von Zürich ging es an den Rheinfall, danach weiter auf den Pilatus und zu guter letzt via Grimselpass zurück nach Zürich. «Natürlich war diese Fahrt ziemlich teuer», erinnert sich Friedmann. «Schlussendlich musste sie gegen 2000 Franken bezahlen.» Seine abenteuerlichste Fracht, war allerdings kein Mensch, sondern eher ein Teil davon: «Eine Spenderniere, die ich vom Unispital Zürich ins Kantonsspital Genf gebracht habe.»

Basel-Jungfrau retour
Auch der Basler Taxichauffer Roger Hostetter hat einiges zu erzählen. Nach einer Kariere als Berufsreiter, fährt er seit 26 Jahren Taxi in Basel. Neben den vielen flüchtigen Bekanntschaften schätzt er die Stammgäste ganz besonders.

Eine Frau aus Puerto Rico, welche er regelmässig herumkutschiert, wollte ihren Landsleuten die Schweiz zeigen. Von Basel aus ging es per Taxi nach Grindelwald und danach weiter aufs Jungfraujoch. «Der Ausflug auf die Jungfrau war auch für mich eine Premiere.» Doch damit nicht genug. Am Tag darauf kam Hostetter mit der gleichen Passagierin in den Genuss eines Helikopterflugs. «Man erlebt etwas Grossartiges und kriegt sogar noch Geld dafür.»

Dr. phil. Taxi, Psychologe
Weniger gerne blickt er auf eine Fahrt mit zwei pöbelnden Neo-Nazis zurück, doch Hostetter, weiss sich zu wehren. Schwieriger sei es, dass viele Fahrgäste die Taxifahrer als Psycholgen missverstehen. «Manchmal muss ich auch ein wenig Theater spielen und Interesse heucheln», gesteht der Chauffeur.

«Aber es gibt auch Leute mit echten Problemen.» Vor kurzem habe er eine heulende Witwe mit der Asche ihres Mannes vom Krematorium nach Hause gefahren. «Eine eigenartige Situation», in der ihm die richtigen Worte gefehlt hätten. «Schliesslich müssen wir in erster Linie Taxi fahren und uns auf den Verkehr konzentrieren.»

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Audio-Beiträge:


Aus dem Arbeitsalltag von Bruno Friedmann
Hören (8:34)

Aus dem Arbeitsalltag von Roger Hostetter
Hören (6:55)


Kommentare zu diesem Artikel:


Freitag, 1.6.2012, 13.05 Uhr: Moira Vaccaro-Engler via Facebook

@christoph blust..da isch würkli verruckt,oh man..so sachä tüend mir echt weh weni a die frau und kind denk!wahnsinn...


Montag, 28.5.2012, 19.08 Uhr: Raphael Knechtli via Facebook

6h im Taxi von salvador Bahia bis illheus (Brasilien) Mehrere Stopps und geheimtipps des besten Orangensaft in Brasilien. Taxi Fahrer trug meinen Bruder sogar jeweils aus dem Taxi und zurück (Knie OP- schiene) WM 2014 wir kommen!!! :D


Montag, 28.5.2012, 16.00 Uhr: Lukas Amstutz via Facebook

Bin in Sri Lanka 6 Stunden Taxi gefahren. Hat mich ca. 100 CHF gekostet. Wir machten einmal auf Wunsch des Taxifahrers eine Pause und gingen in ein Restaurant. Als die Rechnung kam, verkroch sich der Taxifahrer und ich musste die ganze Rechnung zahlen.


Montag, 28.5.2012, 13.32 Uhr: Sukki Gunsch via Facebook

Mer hend e taxi bstellt,und Wommer zum treffpunkt gloffe sind hemmer xeh wie dä chauffeur a sis eigene taxi pisst(exgüsi)! ufde fahrt häter denn no 'schmuddelfilmli' glueget... hihi!


Montag, 28.5.2012, 11.23 Uhr: Nathalie Gradl-Vogt via Facebook

Taxi mit eim teilt wo zuefällig in die glich Richtig het müesse fahre (vor 6 Johr)... In 4 Wuche hürote mr :-)) <3<3


Montag, 28.5.2012, 10.51 Uhr: Sämi Germanloser Mysterio Oswald via Facebook

Ein Taxifahrer aus NYC schrieb: Als ich an der gewünschten Adresse ankam, hupte ich. Nachdem ich ein paar Minuten gewartet hatte, hupte ich nochmal. Dies war die letzte Fahrt meiner Schicht, deswegen überlegte ich mir einfach weg zu fahren, aber stattdessen parkte ich das Auto und ging zur Tür und klopfte… "Moment", antwortete eine brüchige, ältere Stimme. Ich konnte hören, wie etwas über den Boden geschliffen wurde. Nach einer langen Pause öffnete sich die Tür. Eine kleine Frau in ihren 90ern stand mir gegenüber. Sie trug ein bedrucktes Kleid und einen Hut mit einem Schleier, der aussah als stamme er aus einem Film aus der 40ern. Neben ihr war ein kleiner Koffer. Die Wohnung sah aus als wenn dort niemand seit Jahren wohnen würde. Alle Möbel waren mit Laken bedeckt. Es gab keine Uhren an den Wänden, kein Schnickschnack oder Utensilien auf den Schränken. In der Ecke war ein Karton, der gefüllt mit Fotos und Glasdekoration war. "Würden sie meine Tasche zum Auto tragen?" fragte sie. Ich nahm ihren Koffer mit zum Taxi und drehe um, um der Frau zu helfen. Sie nahm mich beim Arm und wir gingen langsam den Bordstein entlang. Sie hörte nicht auf sich bei mir für meine Freundlichkeit zu bedanken. "Das ist doch selbstverständlich", sagte ich ihr. "Ich versuche nur meine Fahrgäste so zu behandeln, wie ich möchte, dass meine Mutter behandelt wird." "Oh, Sie sind so ein guter Junge", sagte sie. Als wir beim Taxi ankamen, gab sie mir die Adresse und fragte: "Können wir durch die Innenstadt fahren?" "Das ist aber nicht der kürzeste Weg", antwortete ich rasch. Ich guckte in den Rückspiegel. Ihre Augen glänzten. "Ich habe keine Familie mehr", mit einer sanften Stimme sprach sie weiter. "Der Arzt sagt, dass ich nicht mehr lange habe …" Leise führte ich meine Hand zum Zähler und schaltete ihn aus. "Welche Strecke möchten Sie fahren?", fragte ich. Für die nächsten zwei Stunden fuhren wir durch die Stadt. Sie zeigt mir das Gebäude, wo sie mal als Aufzugsführerin gearbeitet hat. Wir fuhren durch die Nachbarschaft, in der sie und ihr Mann lebten als sie frisch verheiratet waren. Sie ließ mich vor einem Möbelgeschäft anhalten, welches früher mal ein Tanzsaal war zu dem sie tanzen ging als sie eine junge Frau war. Manchmal, als wir an bestimmten Gebäuden oder sogar Straßenecken vorbeifuhren, fragte sie mich langsamer zu fahren. Sie saß nur da und starrte in die Dunkelheit und sagte nichts. Als die ersten Sonnenstrahlen zu sehen waren, sagt sie plötzlich: "Ich bin müde. Lassen sie uns jetzt fahren." In Stille gehüllt führen wir zu der Adresse, die sie mir gegeben hatte. Es war ein flaches Gebäude, wie eine kleine Kuranstalt mit einer kleinen Einfahrt umrahmt von Säulen. Zwei Pfleger kamen zum Taxi, sowie wir anhielten. Sie waren besorgt und achteten auf jede ihrer Bewegungen. Sie mussten sie erwartet haben. Ich öffnete den Kofferraum und trug ihren kleinen Koffer zur Tür. Die Frau wurde schon in einen Rollstuhl gesetzt. "Wie viel bekommen Sie von mir?", fragt sie als sie in ihre Handtasche griff. "Nichts", antwortete ich. "Sie brauchen doch einen Lebensunterhalt", sagte sie. "Es gibt andere Fahrgäste", entgegnete ich. Fast ohne darüber nachzudenken, beugte ich mich hinunter und umarmte sie. Sie hielt mich fest. "Sie haben einer alten Frau einen kleinen Moment des Glücks gegeben," sagte sie. "Dankeschön." Ich drückte ihre Hand und ging in die Morgendämmerung… Hinter mir schloss sich eine Tür. Es war das Geräusch eines sich schließenden Lebens… Ich holte während dieser Schicht keine weiteren Fahrgäste ab. Ich für ziellos in der Gegend rum. Für den Rest des Tages konnte ich kaum sprechen. Was wäre, wenn diese Frau einen unfreundlichen oder ungeduldigen Fahrer, der nur auf das Ende seiner Schicht wartet, erwischt hätte? Was wäre, wenn ich nicht zur Tür gegangen wäre oder nur einmal gehupt hätte und dann weggefahren wäre? Auf einen kurzen Rückblick denke ich nicht, dass ich nie etwas Wichtigeres in meinem Leben getan habe. Wir sind alle in dem Glauben, dass unsere Leben umgeben von schönen Momenten sind. Aber schöne Momente fangen uns unwissend – wunderschön verpackt in etwas, dass andere als klein oder nichts betrachten.


Montag, 28.5.2012, 10.14 Uhr: Anic Lautenschlager via Facebook

Ui, Christoph, krass!


Montag, 28.5.2012, 10.14 Uhr: Christoph Blust via Facebook

Ich bin 2 Jahre in Brugg Taxi gefahren. Hab so einiges erlebt. Die Schlimmste erlebnis war das ich an einem Morgen einen Mann ins Puff fahren musste und am Abend den gleichen Mann mit Frau und Kinder ins Restaurant. Durfte mir natürlich nichts anmerken lassen.


Montag, 28.5.2012, 09.42 Uhr: Claudia Vontobel-Ghilardi via Facebook

Mein Vater fuhr lange Taxi in Zürich, er war auch schon Geburtshelfer, weil das Baby nicht mehr warten wollte bis zum Spital..


Montag, 28.5.2012, 08.55 Uhr: Stefan Röthlisberger via Facebook

ich habe das taxi von basel nach pratteln gebraucht..unterwegs hatten wir einen platten reifen der taxifahrer konnte ihn nicht wechseln also machte ich es und anstatt in pratteln zahlen zu müssen bekam ich noch fr. 20 von ihm


Montag, 28.5.2012, 08.54 Uhr: Fiona Meyer via Facebook

fuhr aber auch nicht.....


Montag, 28.5.2012, 08.53 Uhr: Fiona Meyer via Facebook

ohhh, wir sind mal mit kind und kegel durch halb italien (bisschen übertrieben...) mit dem taxi. weil die lieben italiener gestreickt haben. den zug den wir mit dem taxi erreichen wollte r


Montag, 28.5.2012, 08.27 Uhr: Janik Blum via Facebook

Aber e be mol vo es paar Johr i einem ghocket i de mitti e be fascht iquätsch gsi


Montag, 28.5.2012, 08.26 Uhr: Janik Blum via Facebook

E fahre eigentlech wenig bis selte Taxi schösch nem e de Bus.


Montag, 28.5.2012, 08.01 Uhr: Sara Port via Facebook

De Taxifahrer vo mir und mim Fründ esch aso de best vo allne, be jedere fahrt kriege mer was gschänkt- e Russezopf, e fläsche Wii und s beschte esch jo wohl es ganzes Pfanneset ( neuwertig !) gsii ;)) De sozialsti Aargauer- Taxifahre :)


Montag, 28.5.2012, 07.46 Uhr: Frosch König via Facebook

Wo dr Casionraub z'Basel gsi isch bi i grad ins Taxi gstige, denn isch grad d'Mäldig über e Funk dure. I glaub d'Taxis hän no vor dr Polzei vo däm Überfall gwüsst.


Montag, 28.5.2012, 07.45 Uhr: Mike Bierbauch Rajgl via Facebook

en kolleg vo mir isch taxi fahrer und eines tages isch en gast cho und hed gfragt ob er platz hed für en chiste bier und en ring servelat..... de kolleg hed gseit klar.... hed de kofferruum ufgmacht und de ander hed voll drii kotzet....:-)))


Montag, 28.5.2012, 07.44 Uhr: Marc Frei via Facebook

ich bi mal mit em taxi vom usgang hei, ha mit em vor de abfahrt e pauschalä abgmacht "bi chli tüüf drigschosse mit de pauschale" aber er hät gseit, ja seg guet so... dänn hät er gmerkt, das d'abwichig glich chli höch isch und dänn hät er mi öpe 5 km vo dihei wele usem taxi useschüssä... nachere heftige diskussion "ich bi em dänn na chli entgegecho" hät er mi glich na heigfahre... :) ha nämmli sowas vo kei luscht me gha zum laufä, ha nur na ins näscht wele ;) so das wärs... mich nimmt scho wunder was als nächschts chunnt


Montag, 28.5.2012, 07.41 Uhr: Marc Frei via Facebook

de glich kolleg :) isch wider emal mit em taxi vom usgang hei, dänn häts taxi en plattä gha, de taxifahrer hät kei ahnig gha vo reifä wächsle, dänn hät er "glernte automech" dem s'rad gwächslet will er suscht glaub gar nie me heicho wär... de taxifahrer hät em aber trotzdem de volli pris verrächnet, wenigstens hät er d'uhr währendem radwächsel abgstellt gha :)


Montag, 28.5.2012, 07.38 Uhr: Marc Frei via Facebook

en kolleg vo mir isch mal zimmli alkoholisiert nach em usgang mit em taxi hei. es hät knapp 100.- kostet. er hät na e 200er und e 100er note im portemonnaie gha. er git em d'note und seit, es isch guet so... de taxifahrer hät en sogar na bis zu de türä begleitet. er hät dänkt, isch aber na en liebe, bis er am nächste tag dänn d'100er note im portemonnaie entdeckt gha hät :)


Montag, 28.5.2012, 07.14 Uhr: David Simon via Facebook

Ha mol nachem Usgang, es Taxi vo Bern nach Brugg zahlt...300.- hets mi kostet.. :-D


Montag, 28.5.2012, 07.09 Uhr: Anic Lautenschlager via Facebook

Ha! Sehr hübsche Geschichten. Mehr davon!


Montag, 28.5.2012, 06.57 Uhr: Karin Simon via Facebook

Vor x Jahren nach dem GC-Meistertitel wir 4 Mädels (es konnte noch keine Auto fahren) mit dem Taxi irgendwo am Zürichsee zur Meisterfeier der Spieler in eine Disco (ja, das gabs damals noch) mit dem Taxi gefahren und für unsere Verhältnisse ein Vermögen ausgegeben. :-) Und dann irgendwann in den frühen Morgenstunden mit dem Taxi wieder zurück an den Bahnhof. Ein einmaliges Verhältnis. Und das als Berner GC-Fans (damals). :-)

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