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Freitag, 27.7.2012

Facebook wächst, die Börse rümpft die Nase

Erstmals seit dem Börsengang hat Facebook Quartalszahlen präsentiert. Der Umsatz von 1.2 Milliarden Dollar entspricht den Erwartungen; dennoch muss Facebook einen Nettoverlust von 157 Millionen ausweisen.

Millions of Dollars! Facebook-Umsatz. Quelle: Facebook Investor Relations

Facebook beteuert, dass die roten Zahlen vor allem mit einmaligen Kosten zu begründen seien. Hauptursache sind Aktienpakete, die Mitarbeiter des Unternehmens anstelle von Gehalt erhielten und die jetzt ausbezahlt werden mussten.

Umsatz wächst
Der Umsatz von Facebook entwickelt sich positiv: 1.18 Milliarden Dollar verdiente Facebook im zweiten Quartal 2012, 32 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der grösste Teil dieses Umsatzes wird mit Werbung erzielt, total 992 Millionen Dollar im letzten Quartal.

Nutzung wächst
Auch die Nutzerzahlen legen zu: aktuell gehen 955 Millionen Nutzerinnen und Nutzer mindestens einmal im Monat auf Facebook - täglich sind es 552 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die monatlichen Nutzerzahlen um 29 Prozent, die täglichen um 32 Prozent.

Während dieser Zuwachs in Nordamerika und Europa etwas an Schwung verliert, legt Facebook vor allem in Schwellenländern wie z.B. Brasilien zu.

Da sich in Schwellenländern nicht alle einen PC leisten können, wird ein Trend verstärkt: Die Zugriffe auf Facebook kommen immer mehr von mobilen Geräten, Smartphones. 543 Millionen der monatlichen Nutzer greifen per Smartphone zu, und dieser Anteil wächst schnell: Die Zahl der mobilen Nutzer nahm im Vergleich zum Vorjahr um 67 Prozent zu.

Investoren bekommen kalte Füsse
Diese Verschiebung von Desktop zu Mobile ist der Hauptgrund, dass sich unter Investoren nach der dem Börsengang vorausgehenden Hysterie im Frühling nun Ernüchterung breit macht. Denn mobil ist es schwieriger, Werbung anzuzeigen - einige Investoren sehen dadurch die Haupteinnahmequelle von Facebook gefährdet.

Mobil setzt Facebook ganz auf eine neue Art Werbung, die «Sponsored Stories»: Statt wie im Browser auf dem Desktop in einer rechten Spalte Werbebanner anzuzeigen, können Unternehmen stattdessen Fotos oder Statusmeldungen mitten im Newsfeed platzieren (auf dem Desktop-PC gibt es diese Werbeform ebenfalls). Zwischen den Nachrichten der eigenen Freunde tauchen dann solche Kürzest-Werbebotschaften auf.

Der Plan: «Sponsored Stories»
Facebook hat erst vor einem halben Jahr begonnen, die «Sponsored Stories» langsam einzuführen. Erste Zahlen können durchaus optimistisch stimmen: So verkauft Facebook heute schon täglich «Sponsored Stories» für rund eine Million Dollar, die Hälfte davon werden auf mobilen Geräten angezeigt.

Dennoch reagierte die Börse skeptisch; einigen ist der Plan zu wenig konkret, andere beurteilen das Wachstumspotential weniger optimistisch als Facebook selbst.

Plan B stolpert
Facebook versucht dazu schon länger, nicht ausschliesslich von Werbung abhängig zu sein. Während die Werbeeinnahmen 2009 noch 98 Prozent von Facebooks Einnahmen ausmachten, sind sie stetig auf einen aktuellen Anteil von 84 Prozent gefallen. Facebook ist es also gelungen, auch andere Einnahmen zu erzielen, und zwar in erster Linie über Spiele, die Facebook als Plattform benutzen und an deren Umsatz Facebook einen Anteil erhält.

Doch hier ist Facebook eng mit dem Schicksal des Marktführers Zynga verknüpft, und der hat gerade eben schlechte Resultate vorlegen müssen. Entsprechend sind die Einkünfte aus diesem Bereich in den letzten drei Quartalen fast stagniert, bei 188 Millionen Dollar.

Auch wenn es durchaus möglich ist, dass das Schwächeln Zyngas von Konkurrenten wettgemacht wird: Auf diesen Plan B kann sich Facebook nicht verlassen. Wenn der Umsatz weiter wachsen soll, müssen die «Sponsored Stories» funktionieren.

Guido Berger

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