Piergiorgio Baroni: «Tessiner müssen auswandern, um wieder in der Heimat anzukommen»
Piergiornio Baroni vernetzt Tessiner und Tessinerinnen in der ganzen Welt.
«Dal bel u na s'mangia vèe nuta» (vom Schönen hat man nicht gegessen), besagt ein Tessiner Sprichwort. Zwischen 1850 und 1935 bewog die Armut 40'000 Tessiner ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück in der Ferne zu suchen. Es gibt Berichte von diesen, die «ohne eine Frau und einen Kirchturm» in der Fremde verkümmerten. Andere wiederum fanden, was sie suchten.
Aufrechte und waagrechte Schweizer
Der 72-jährige Journalist Piergiorgio Baroni erfuhr am eigenen Leib, wie es ist, sich fremd zu fühlen. Nach einer Bankenlehre in Lugano zog er als junger Mann für die Arbeit über den Polentagraben nach Zürich. Dort angekommen, fragte er in gebrochenem Deutsch nach dem Weg. Die Antwort blieb ihm sein Gegenüber bis heute schuldig, anstelle kam der Kommentar: «Sie sind auch kein aufrechter Schweizer».
«Ich habe früh gelernt, dass es aufrechte und waagrechte Schweizer gibt», so Piergiorgio Baroni gegenüber Nik Thomi. Und: «Als aufrechter Schweizer lebt es sich sicher einfacher».
«Tessiner sind überall»
Sensibilisiert von der eigenen Biographie arbeitet der 72-jährige Piergiorgio Baroni an einem Netzwerk, um Tessiner Auswanderer in der ganzen Welt untereinander zu vernetzen. Als leidenschaftlicher Lokalpatriot will Baroni wissen, wie Tesssiner die Welt prägen und wie die Welt die Tessiner prägt.»
