Hochspannung vor der Landung auf dem Mars
An einem 20 Meter über dem Grund schwebenden Kran soll «Curiosity» auf die Marsoberfläche heruntergelassen werden. (Keystone)
Das Roboterfahrzeug «Curiosity» (Neugier) nähert sich mit rund 13'000 Kilometern pro Stunde dem Mars. Das unbemannte Raumschiff wird in der letzten Phase kurz vor der Landung wegen der Mars-Anziehung auf rund 21'000 Stundenkilometer beschleunigt, bevor es schliesslich vollautomatisch landen wird.
Die Landung des bislang teuersten und technisch ausgefeiltesten Marsrovers der Nasa ist für heute, 7.31 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit geplant.
Nach der Landung ist Geduld gefragt
Doch bis man auf der Erde mit Sicherheit sagen kann, ob das Manöver geglückt ist und das rund 900 Kilogramm schwere, sechsrädrige Forschungslabor sicher auf dem Planeten aufgesetzt hat, könnte es einige Zeit dauern.
Das Problem: Die Bestätigung der Landung ist gar nicht so leicht zu bekommen. «Curiosity» selbst kann aus der Mars-Atmosphäre zunächst nur wenige Informationen an die Erde schicken. Anstelle dessen sendet der Rover nach jedem erfolgreichen Teil des Landemanövers UHF-Radiosignale an die Raumsonde «Odyssey», die den Mars umkreist.
«Odyssey» leitet die Informationen weiter an die Antennen des Deep Space Network, unter anderem in der australischen Hauptstadt Canberra. Von dort aus werden die Signale ins Kontrollzentrum der Nasa in Kalifornien geschickt.
Erste Bilder erst nach Stunden
Da eine derart aufwändige Kommunikation im All nicht immer reibungslos verläuft, warnt die Nasa, dass es im schlimmsten Fall Tage dauern könnte, bis das Signal die Erde erreicht. Auch Bilder von der Landung wird es zunächst nicht geben.
Frühestens 15 Stunden nach der Landung würden die ersten von «Curiosity» geknipsten Fotos auf der Erde erwartet, sagte ein Nasa-Sprecher. Ein Video, das eine Kamera am Boden des Rovers während der Landung aufzeichnet, werde wahrscheinlich erst Tage später eintrudeln.
2,4 Milliarden teure Mission
Für die US-Raumfahrtbehörde steht einiges auf dem Spiel: Nach starken Budgetkürzungen ist die umgerechnet knapp 2,4 Milliarden Franken teure Mission «das letzte Hurra im Planetenprogramm der Nasa für einige Jahre», wie es die «New York Times» formulierte.
Geht auch nur eine Kleinigkeit schief beim Landemanöver, ist «Curiosity» womöglich nur noch ein Haufen Schrott und die Mission gerät zur Blamage. Viele erhoffte Informationen über mögliche Spuren von Leben auf dem Mars blieben aus. Die Zukunft des Mars-Projekts, das nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama auch zu einer bemannten Mars-Mission in rund 20 Jahren führen soll, stünde auf dem Spiel.
Schwebender Kran lässt Rover hinunter
Aber die Nasa gibt sich optimistisch. Unter anderem mit einem Fallschirm, Korrekturdüsen und einem 20 Meter über der Oberfläche schwebenden Kran soll das rollende Forschungslabor von der Grösse eines Kompaktwagens sieben Minuten nachdem es die Mars-Atmosphäre erreicht hat auf dem Roten Planeten aufsetzen.
Das möge «verrückt» wirken, sagte Nasa-Ingenieur Adam Steltzner vor Journalisten. «Aber ich versichere Ihnen, dass es die am wenigsten verrückte Methode ist, mit der man einen Rover, der so gross ist wie 'Curiosity', auf dem Mars landen kann.» Ausserdem sei das Manöver jahrelang geprobt worden, ergänzte sein Kollege Steven Lee. «In der Welt der Simulation sind wir schon Millionen Mal auf dem Mars gelandet.»
Zwei Jahre lang soll «Curiosity» funktionieren
Ein derart aufwändiges Landemanöver hat es in der Geschichte der Mars-Missionen noch nicht gegeben: Die Vorgänger-Rover «Spirit» und «Opportunity» beispielsweise waren leicht genug für eine Luftkissen-Landetechnik.
Das Ziel von «Curiosity» ist der Gale-Krater, einer der tiefsten Punkte auf dem Planeten. Nasa-Experten vermuten, dass hier einst Wasser geflossen sein könnte. Rund zwei Jahre lang soll «Curiosity» nach Spuren von Leben auf dem Mars suchen. (pet;basn, dpa)
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