Schaukäserei Affoltern spürt Emmentaler Krise
Geschäftsführer Adrian Zehnder in der Schaukäserei in Affoltern im Emmental. (SRF)
In den besten Zeiten stellte die Schaukäserei in Affoltern 20 AOC-Emmentaler Käse pro Tag her. Die guten Seiten des Schaufensters für den Käse-Klassiker. Aber das Schaufenster zeigt auch das Elend: Heute sind es noch vier Käselaibe, weil jedes Kilo Defizite verursacht. Und schon das ist grenzwertig, sagt Geschäftsführer Adrian Zehnder. Das Publikum, das eigentlich komme, um beim Käsen zuzuschauen, fühle sich verschaukelt.
Wenn sich die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland am Mittwoch nicht auf eine Mengenbegrenzung einigt, wird es in Affoltern noch prekärer. Dann gibt's nur noch einen einzigen, handwerklich hergestellten Käse pro Tag. Die Produktionsanlagen würden verpachtet an die Dorfkäserei Sumiswald, die mit ihren Halbhart-Käsespezialitäten viel Erfolg hat und mehr Platz braucht.
Zieht sich die Branche selbst aus dem Sumpf?
Der Entscheid der Branche ist extrem wichtig, sagt auch Franziska Borer, die Direktorin der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. Vorgeschlagen ist eine Mengenbegrenzung, die per Bundesratsbeschluss allgemeingültig erklärt würde. Damit könnte kein Emmentaler AOC-Käser mehr ausbrechen. In diesem Fall soll eine neue Firma allen Käse aufkaufen und vermarkten - zu Preisen, die etwa 20 Prozent über dem heutigen, ruinös tiefen Preis liegen. Aber es ist ein sehr grundsätzlicher Streit: Zurück zu der Planwirtschaft - oder freier Markt? (strc)
