Schauspieler Walo Lüönd gestorben
Schauspieler Walo Lüönd ist tot. (Archiv Keystone)
Der Schauspieler Walo Lüönd ist tot. Er sei am Dienstag in Untersiggenthal beigesetzt worden, teilte seine Familie mit. Lüönd starb am Sonntag, 17. Juni. Die letzten Lebensjahre verbrachte der gebürtige Zuger im Tessin. Seinen letzten Auftritt als Schauspieler hatte Lüönd 2010 in «Der grosse Kater» neben Bruno Ganz.
Die Bühnenkarriere wurde dem 1927 in Zug geborenen Walter-Josef Lüönd in die Wiege gelegt: Sein Vater, ein Konditor, war im lokalen Laientheater ein Star. Der kleine Walo organisierte schon als Kind Zirkus-Freiluftaufführungen im Hinterhof.
Talent aber nicht das Aussehen
Auf Wunsch seines Vaters schloss er erst noch eine Lehre als Herrenschneider ab, bevor er sich am Bühnenstudio Zürich ausbilden liess. Dort wurde ihm zwar Talent attestiert. «Doch bei Ihrem Aussehen würden wir Ihnen raten, einen anderen Beruf zu ergreifen», hiess es.
An Angeboten – hauptsächlich im Charakter- und Komödienfach – mangelte es dem knorrigen Innerschweizer dennoch nie. Zuerst spielte er am Schauspielhaus Zürich und in Basel. Danach ging Lüönd nach Deutschland. Dort lernte Lüönd auch seine Frau, Schauspielerin Eva-Marie Bendig, kennen. Mit ihr war er 60 Jahren verheiratet.
Filmpreis erhalten
In den 60iger-Jahren begann Lüönd, auch in Kino- und Fernsehfilmen mitzuwirken. Ob als miesepetriger Beamter («Die Schweizermacher»), geldgeiler Bauer («Brot und Steine»), bester Freund des Dorfkauzes («Der Erfinder»), tragisch abstürzender Privat detektiv («Der Fall») oder liebenswerter Gemeindepräsident («Sternenberg») – Lüönd liess sich für fast jeden Charakter besetzen.
Im Jahr 1973 wurde er mit dem Zürcher Filmpreis ausgezeichnet, im Jahr 2003 erhielt er den Ehren-Prix Walo für sein Lebenswerk. An den Solothurner Filmtagen ist Lüönd vor einigen Jahren mit einer grossen Retrospektive gewürdigt worden.
Grosse Anerkennung
Ehemalige Kollegen würdigten den verstorbenen Charakterschauspieler. Walo Lüönd werde im Kulturinventar der Schweiz fehlen, sagte beispielsweise Emil Steinberger. Lüönd sei ein grossartiger Schauspieler gewesen, sowohl vor der Kamera als auch auf der Bühne. Nur schon die Stimme sei einzigartig gewesen: «Vom ersten Wort an sofort erkennbar.»
Ivo Kummer, der Chef der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK), würdigte Lüönd als «einen der markantesten Köpfe des Schweizer Filmschaffens überhaupt.» (fors, sda)
