Neuere Häuser sind anfälliger auf Hagelschäden
«Je jünger ein Haus ist, desto anfälliger ist es auf Hagelschäden», sagt Christian Caduff, stellvertretender Direktor der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich. (Keystone)
Von Inlandredaktorin Monika Zumbrunn
Hagelkörner so gross wie Pingpong-Bälle - die Unwetter der letzten Tage waren beeindruckend und die Schäden entsprechend hoch. Die kantonalen Gebäudeversicherer beobachten dabei einen neuen Trend.
Christian Caduff, stellvertretender Direktor der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich: «Die Auswertung hat gezeigt: Je jünger ein Gebäude ist, desto höher sind die Schäden.»
Baumaterial anfälliger
Von den beschädigten Häusern waren 20 Prozent mit Baujahr 1990 oder jünger. Gebäude, die vor 1960 gebaut wurden, waren nur zu fünf Prozent betroffen.
Die Häuser, so robust sie aussehen, seien verletzlicher geworden: «Das heisst, heute haben wir moderne Gebäude, die gegenüber Hagel verletzlicher geworden sind als vielleicht vor 100 Jahren. Dann hatten wir noch eine massivere Bauweise.»
Massiv und solid wurde früher gebaut: Holz- oder Steinhäuser mit robusten Ziegeln und Fensterläden. Heute ist das Baumaterial anfälliger. Gerade die Sonnenstoren und -lamellen, die mehr und mehr die Fensterläden ersetzen, sind heikel und machen einen hohen Anteil der Schäden aus.
Bessere Prävention dank Prüfung
Die Gebäudeversicherer bemühen sich nun um bessere Vorsorge. Verglichen mit der Hochwasser-Prävention macht man aber punkto Hagel noch zu wenig. Leider - sagt Martin Jordi, von der Präventionsabteilung beim Dachverband der kantonalen Gebäudeversicherungen: «Es gibt sehr wenig Produkte, welche auf Hagel geprüft sind.»
Das seien eigentlich nur Solarkollektoren oder Dichtungsbahnen für Flachdächer zum Schutz vor Wasser. Bei allen anderen Produkten habe es keine Prüfbestimmungen gegeben. «Darum haben wir solche Prüfbestimmungen in unserem Projekt entwickelt.»
Pürfung als Werbeargument
Im Projekt «Hagelregister» werden seit drei Jahren verschiedene Baumaterialen erfasst, die auf Hagel-Einschlag geprüft sind. Die Liste wächst jährlich. Und mit ihr auch die Sensibilität bei Bauherren, Architekten und Firmen: «Die Nachfrage, wie man solche Produkte testen und ins Hagelregister eintragen kann, ist sehr stark gestiegen in diesem Jahr. Es gibt Firmen, die ihre ganze Produktepalette haben prüfen lassen, und benützen das auch als Werbeargument.»
Die Hagelzüge quer durch die Schweiz werden in Zukunft zunehmen. Davon gehen die Klimaforscher aus. Die Hagelschäden an Gebäuden aber lassen sich mit guter Prävention, also hagelsicherer Bauweise, reduzieren. (basn)
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