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Alle! Oder doch «Yesterday»? «Hey Jude»? «Nowhere Man»? «Paperback Writer»?
Die Beatles gönnen sich am 4. November 1963 eine Pause während den Proben im Prince of Wales Theater in London. (Keystone)
Da viele Songs in einer eigenen Kategorie erscheinen (zum Beispiel «Single-Hits 65 – 67»), findet man unter «Die besten Songs» jene, die nicht schon in einer anderen Rubrik abgehandelt wurden oder noch werden. Da die Qualität aller Beatles-Songs grundsätzlich hochklassig ist, kann keineswegs von zweiter Wahl gesprochen werden. Gerade unter den weniger bekannten Songs findet sich die eine und andere hell schimmernde Perle.
Was für ein Jahr in der Geschichte der Beatles! Vier Riesen-Hits, darunter mit «I Want To Hold Your Hand» auch noch der Durchbruch in Amerika, das ist kaum zu überbieten. Dazu erschienen auch noch ihre ersten beiden Alben. Unglaublich!
Der Kreativitäts-Fluss war bei John Lennon und Paul McCartney so rauschend, dass sie «I Wanna Be Your Man» sogar locker den Kumpels von den Rolling Stones überlassen konnten, die den Song als ihre zweite Single vor den Beatles veröffentlichten. Und in England damit immerhin Platz 12 in der Single-Hitparade verbuchen konnten.
Was für ein Jahr für die Beatles! Sie landeten den erste Nummer eins Hit in den USA («I Want To Hold Your Hand»), sie hatten den ersten Auftritt im amerikanischen Fernsehen, der erste Spielfilm («A Hard Day’s Night») kam raus, die erste Welt-Tournee stand an und sie produzierten zwei Alben («A Hard Day’s Night» und «Beatles For Sale»).
Während die ersten beiden Beatles LP's im 1963 zeigten, wie gut die Club Band auf Platte klang, bewiesen sie mit «A Hard Day’s Night», wie gut sie als Songschreiber waren. Alle dreizehn Songs stammten von Lennon-McCartney.
Die Weihnachtsplatte «Beatles For Sale» gilt unter Kritikern als schwächste Beatles LP. Die Band hatte schlicht zu wenig Songs, um eine ganze LP mit Eigenkompositionen zu füllen. Zwar sind sechs der vierzehn Songs Coverversionen, was als Rückschritt betrachtet wurde. Die acht Lennon-McCartney Originale zeigen die Band aber zum ersten Mal von einer nachdenklicheren, tiefgründigeren Seite.
Unglaublich, ja nahezu unvorstellbar! Alben wie «Help!» und «Rubber Soul» im gleichen Jahr zu veröffentlichen, zeitlos, voll mit neuen und überraschenden Einfällen, schlicht zwei Meisterwerke. Mit je zwei eigenen Songs demonstrieren diese beide LP's auch die zusehends stärker akzeptierten Kompositions-Talente von George Harrison.
Für «Yesterday», den meistnachgespielten Beatles-Song überhaupt, wurden zum ersten Mal Streicher verwendet, die Sitar feierte Premiere in der Pop-Musik, Bob Dylan und die Byrds sorgten für verstärkte Folk-Rock-Einflüsse. Textlich bewegten sich die Beatles zusehends von eher schlichten Liebesliedern weg zu introvertierteren, auch schwermütigeren Themen. Hier – vor allem mit Rubber Soul – beginnt der Weg, welcher zu den experimentelleren Seiten von Revolver und Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band führte.
Was beim Vorgänger-Album «Rubber Soul» (1965) zaghaft begann, war auf «Revolver» nicht mehr zu stoppen. Die Beatles hatten die technischen Möglichkeiten des Aufnahmestudios endgültig zu ihrer Spielwiese umfunktioniert.
Weiter deckten sie stilistisch das bisher breiteste Spektrum ab. Trotz – oder gerade wegen all diesen unterschiedlichen Einflüssen und Spielereien schufen sie mit «Revolver» ein absolut zeitloses Pop/Rock-Meisterwerk. Die unglaubliche Beliebt- und Bekanntheit der Beatles zeigt sich auch beim Plattenumschlag: wie schon bei «Rubber Soul» wurde darauf verzichtet, den Bandnamen aufzuführen. Die vier Köpfe reichten zur Identifikation völlig aus.
1967 erschien «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band», das erste Album nach dem definitiv letzten Live-Konzert am 29. August 1966 in San Francisco. Zum ersten Mal in ihrer Karriere nahmen sich die Beatles zuerst 2 Monate Ferien und anschliessend 4 Monate Zeit für ein Album. Und schufen ein Meisterwerk.
Nicht nur das renommierte amerikanische Musikmagazin Rolling Stone bezeichnete dieses Album als «die wichtigste Rock-Platte aller Zeiten». Im gleichen Zeitraum entstand aber auch noch die Doppel-A-Seiten-Single «Penny Lane/Strawberry Fields Forever» und «I Am The Walrus».
Nach ihrem musikalischen Höhenflug im Sommer 1967 mit ihrer bis dahin aufwändigsten Platte «Sgt.Pepper» brauchten die Beatles ein Jahr später dringend neue Ideen.
Es zog sie in die Bergluft von Indien, wo sie hofften, mit der Hilfe eines Gurus wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Tatsächlich fanden die vier neben den täglichen Meditationsübungen Zeit, über dreissig neue Songs zu komponieren. Im Gegensatz zu den komplexen Klanggebilden vom Vorjahr kehrten die Beatles mit diesen Songs zurück zum einfachen Blues und Folk. Die wieder gewonnene Schlichtheit spiegelt sich auch im weissen Umschlag des Doppelalbums «The Beatles», das im November 1968 erschien.
Nachdem das Jahr mit den harzigen Aufnahmen für das geplante Get Back Album schlecht begonnen hatte, rauften sich die Beatles im Sommer nochmals zusammen, um eine letzte, makellose LP zu produzieren. Es wurde das Pop-Meisterwerk mit dem berühmten Fussgängerstreifen auf dem Umschlag: Abbey Road.
George Harrison glänzte mit zwei seiner besten Songs, «Something» und «Here Comes The Sun» und Ringo Starr schrieb sein leichtfüssiges «Octopus’s Garden». Von den beiden Hauptsongschreibern Lennon-McCartney war Paul auf Abbey Road der fleissigere. Von ihm stammen die beiden Balladen «You Never Give Me Your Money» und «Oh! Darling». Zudem hatten sowohl er als auch John ein paar unfertige Kompositionen, die sie auf der Rückseite des Albums zu einem eleganten Medley zusammenfügten.
Eigentlich war das Album «Let It Be» als Chance gedacht, die Stimmung in der Band aufzulockern, indem die Beatles versuchten, so zu klingen wie zu ihren Anfangszeiten.
«Get Back», geh zurück (zu den Wurzeln) lautete der Arbeitstitel des Albums anfänglich, später wurde daraus passenderweise «Let It Be» (lass es bleiben). Die vier hatten sich zu sehr voneinander entfernt, um als produktive Einheit weiter zu bestehen.
Am 20. August 1969 waren alle vier zum letzten Mal gemeinsam im Studio, um die endgültige Reihenfolge der Songs auf «Abbey Road» festzulegen. Ab dann kümmerte sich jeder um seine eigenen Projekte.
Das letzte Beatles Album «Let It Be», dessen Aufnahmen im Januar 1969 stattfanden, wurde in Abwesenheit der Band fertiggestellt und kam am 8.Mai 1970 auf den Markt. Der amerikanische Produzent Phil Spector hatte nach eigenem Gutdünken allerlei fremde Töne wie Streichorchester und Chöre unter die Beatles Songs gemischt.