Messemutti Margot: «Die Welt zu Gast»
Messemutti Margot Mahnkopf: «Von der Welt an sich habe ich wenig gesehen.»
Die Tradition der Messemuttis ist so alt wie das Messegelände in Hannover: Als es in den 50er Jahren noch kaum Hotels gab, mussten die Besucher sonst irgendwo unter kommen. So wurden viele private Schlafzimmer geräumt, der Esstisch zum Frühstücksbuffet umfunktioniert, das Badezimmer brüderlich geteilt.
Organischer Blumendünger
Margot Mahnkopf stellt ihr Bett bereits seit über 50 Jahren zur Verfügung. Die Messemutti aus Leidenschaft schläft dann auf einem Luftbett im Wohnzimmer. Ihr diesjähriger Gast kommt aus Ägypten. Er kann kein Deutsch. Aber die Renterin ist gerüstet, Englisch lernt die 83-Jährige in einem wöchentlichen Kurs: «And for se breakfast, what would you like?».
Lebhaft erzählt Margot Mahnkopf, was ihr in den Jahren als Messemutti so alles passiert ist. «Ich kann mich nicht beklagen, denn meistens hatte ich Glück mit meinen Gästen.» Es gibt aber auch Geschichten von betrunkenen «Herren», die den Weg zur Toilette nicht mehr gefunden haben «und da haben alle meine Blumen eine Kopfdüngung gekriegt».
Vodka-Runde mit der Schlummermutter
Ein überschwemmtes Bad, leere Betten, weil sich für gewisse Gäste spontan eine andere Übernachtungsmöglichkeit ergeben hat («Sie wurden wohl von Frauen abgeschleppt.») und lustige Abende «an denen ich ins Vodka-Trinken eingeführt wurde – was mir übrigens sehr gut bekommen ist».
Margot Mahnkopf möchte am liebsten noch lange Messemutti sein. «Von der Welt an sich habe ich wenig gesehen», sagt die rüstige Hannoveranerin. Dafür hat sie über ihre Gäste verschiedene Kulturen kennengelernt. «Die Welt war zu Gast bei mir und das hat mir immer grossen Spass gemacht!»
Andrea Schwyzer
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