GV künftig digital statt mit Wurst und Salat
Das Modell der Generalversammlungen, wie hier bei der UBS, wird überdenkt. (Reuters)
Von Wirtschaftsredaktor Klaus Bonanomi
Zehntausende Einladungen an Aktionäre verschicken, die Kongresstechnik und die Verpflegung für fünftausend Anwesende organisieren: Die Generalversammlung einer Grossbank wie der UBS ist logistisch eine Riesenübung. Bis zu 250 Angestellte arbeiten während Monaten an der Vorbereitung. Das Spektakel kostet mehrere Millionen Franken. Wozu das Ganze - lautet die grosse Frage.
Denn für Peter Forstmoser ist der Fall klar: «An der Generalversammlung einer Publikumsgesellschaft sind die Meinungen gemacht.» Im Saal seien höchstens drei Prozent, die noch mit Voten und Argumenten beeinflusst werden könnten, sagt der Zürcher Experte für Wirtschaftsrecht.
Delegiertes Stimmrecht
Ein paar wenige Grossaktionäre haben also das Sagen, da sie viel mehr Stimmkraft haben als die Kleinanleger. Dazu kommt: Viele Aktionäre delegieren ihr Stimmrecht. Diese sogenannten Stimmrechtsvertreter erhalten ihre Instruktionen vor der Generalversammlung und können während der Versammlung nicht mehr reagieren, wenn etwa neue Kandidaturen präsentiert werden oder neue Argumente auftauchen.
So wählt man denn in den meisten Fällen die offiziellen Kandidaten und entscheidet die Traktanden im Sinne des Verwaltungsrates. «Heute sagt sich manch kleiner Aktionär: Es lohnt sich nicht an die GV zu gehen», sagt CVP-Nationalrat und Wirtschaftsanwalt Pirmin Bischof. Das könnte man korrigieren.
Technische Lösungen
Wie das gehen könnte, dazu hat Peter Forstmoser in der Neuen Zürcher Zeitung kürzlich einen Vorschlag präsentiert. «Man müsste die Auseinandersetzung der Aktionäre vor die Generalversammlung verlegen», sagt der Experte. Die Aktionäre müssten schon im Voraus die Möglichkeit haben, untereinander zu kommunizieren. Forstmoser schweben beispielsweise Foren auf den Webseiten der Gesellschaften vor.
Doch auch am Ablauf einer Generalversammlung selber könnte sich einiges ändern, sagt Gregor Greber vom Zuger Vermögensverwalter Z-Capital. So hätten Schweizer Firmen wie Nobel Biocare oder Aryzta dieses Jahr den Aktionären die Möglichkeit geboten, die GV online live mitzuverfolgen. Freilich, dies sei erst ein erster Schritt: Ziel müsste sein, dass man sich online aktiv in die Generalversammlung beteiligen könne - mit Wahlen und Voten.
Reine Online-GVs
Und erst mit dieser Möglichkeit könnte sich auch am Stimmverhalten der Aktionäre wirklich etwas ändern. So könnte man sein Stimmrecht wieder selber aktiv ausüben, anstatt es zu delegieren; oder man könnte die Instruktionen an den Stimmrechts-Vertreter je nach Debattenverlauf nochmals ändern. Und genau das müsste ja der Sinn einer Generalversammlung sein: Eine kollektive Meinungsbildung aufgrund einer offenen Diskussion.
Die laufende Reform des Aktienrechts sieht genau dies vor, nämlich dass man auch online mitstimmen kann oder dass es sogar reine Online-GVs gibt. Und, meint CVP-Politiker Bischof, die Chancen dafür stünden gut. (fors)
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