Bernanke verteidigt Finanzspritze der Fed
Fed-Chef Bernanke. (Reuters)
Ben Bernanke hat den Vorwurf zurückgewiesen, die aggressive Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) könne zu einem Anstieg der Inflationsrate führen. «Obwohl der Kauf von Vermögenswerten ein relativ unbekanntes geldpolitisches Werkzeug ist, sind einige Befürchtungen übertrieben», schrieb der Fed-Chef in einem Beitrag für die «Washington Post».
Der Kauf von Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar könne durchaus die lahmende Konjunktur ankurbeln, betonte Bernanke. «Dieser Ansatz hat die finanziellen Rahmenbedingungen in der Vergangenheit entspannt und bislang sieht es so aus, als wäre er abermals wirkungsvoll.»
Kritiker zweifeln an der Wirksamkeit
Kritiker jedoch haben Zweifel an der Wirksamkeit des jüngsten geldpolitischen Manövers der Fed. Ihrer Meinung nach hält der gigantische private Schuldenberg die Amerikaner von Käufen ab. Niedrigere Zinsen seien deshalb wirkungslos. Andere sorgen sich auf lange Sicht wegen ausufernder Inflation. Zudem wird eine Verschärfung der weltweiten Währungsungleichgewichte befürchtet. So hat der Dollar in Erwartung der Fed-Intervention seit Ende August gegenüber dem Euro etwa zehn Prozent an Wert verloren.
Einer Deflation entgegenwirken
Bernanke verteidigte sich gegen diese Vorwürfe. Eine zu niedrige Inflation könne ein Risiko für die Wirtschaft darstellen, besonders wenn diese sich schwer tue. «In den extremsten Fällen, kann sich eine sehr niedrige Inflation in eine Deflation verwandeln, was zu langen Perioden wirtschaftlicher Stagnation beitragen kann.»
Die Teuerung ist in den USA derzeit so niedrig wie seit den 1960er-Jahren nicht mehr. Viele Fachleute fürchten ein Abrutschen in die Deflation, also auf breiter Front fallende Preise. Das hätte volkswirtschaftlich desaströse Folgen.
Feuerwerk an den weltweiten Aktienmärkten
Äusserst erfreut reagierten die Aktienmärkte, an denen die Angst vor einer Rezession in der weltgrössten Volkswirtschaft durch die Ankündigung der Fed gedämpft wurde. Von London über Paris und Frankfurt bis Zürich griffen die Anleger zu: In Zürich etwa stieg der SMI bis Mittwochmittag um 1,3 Prozent auf 6560 Zähler, den höchsten Stand seit sechs Monaten.
Wenig Freude in Peking
Besorgt über die Geldmengen-Aufblähung in den USA mehr als eine halbe Billion Dollar äusserte sich hingegen China, das wegen seiner Währungspolitik im Clinch mit den USA liegt. «Solange die Welt keine Zurückhaltung bei der Ausgabe von Weltwährungen wie dem Dollar übt, ist das Eintreten einer neuen Krise unvermeidlich», schrieb der Berater der chinesischen Notenbank, Xia Bin, in der von der Zentralbank herausgegebenen Zeitung «Financial News».
Die USA werfen China vor, sich mit einem künstlich niedrig gehaltenen Kurs seiner Landeswährung Yuan auf den Weltmärkten auf unfaire Weise Handelsvorteile zu verschaffen. Die Volksrepublik und andere Schwellenländer sehen ihrerseits die lockere Geldpolitik der USA mit Argwohn, da sie den US-Dollar schwächt und zur Aufwertung anderer Währungen führt.
600 Milliarden neues Geld
Die US-Notenbank hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie wolle bis Mitte 2011 noch einmal zusätzlich 600 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft pumpen, indem sie Staatsanleihen kauft - das heisst, sie will sich das Geld für ihre Einkäufe quasi selbst drucken.
Zusätzlich würden bereits der Fed gehörende, aber auslaufende Immobilienpapiere durch Staatstitel ersetzt, so dass sich das Ankaufprogramm insgesamt auf 850 bis 900 Milliarden Dollar summiert. Ziel der Geldspritze ist es, die nach der Rezession immer noch schwach wachsende Wirtschaft anzukurbeln und auf diese Weise mehr Jobs zu schaffen. (nab, pet, reuters/dpa)
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