Wirtschaft brummt – Ausländer gut integriert
In vielerlei Hinsicht bleibe die Integrationspolitik der Schweiz hinter dem zurück, was in anderen Ländern geleistet werde. Das schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Studie. Der stellvertretende Generalsekretär der OECD, Yves Leterme, strich bei der Präsentation vor den Medien in Bern indes die positiven Resultate hervor.
Gute Noten für die Arbeitsintegration
Die Schweiz sei innerhalb der OECD eines der Länder mit dem höchsten Immigrantenanteil, gab Leterme zu bedenken. Im Laufe der letzten Jahre seien wegen des freien Personenverkehrs aussergewöhnlich viele Zuwanderer in die Schweiz gekommen. Dennoch sei die Lage der zugewanderten Bevölkerung auf dem Arbeitsmarkt bedeutend besser als in anderen Ländern.
Grosse Unterschiede - je nach Hintergrund
In der Schweiz gehen drei Viertel der Zuwanderer einer Erwerbstätigkeit nach - mehr als in jedem anderen OECD-Land. Grund dafür ist neben der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt die Herkunft der Immigranten: Die Mehrheit stammt aus OECD-Ländern mit hohem Bildungsniveau.
Schwieriger sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Frauen mit kleinen Kindern und für Personen, die vor kurzem aus humanitären Gründen eingewandert sind. Für die Integration dieser Gruppen tut die Schweiz aus Sicht der OECD zu wenig.
Zu streng bei der Einbürgerung
Generell bemüht sich die Schweiz gemäss der Studie vergleichsweise wenig um die Integration von Ausländerinnen und Ausländern. Die Autoren führen dies teilweise auf den Föderalismus zurück. Dieser habe eine Integrationspolitik des Bundes verzögert, halten sie fest. Die OECD empfiehlt denn auch, dass die Bundesbehörden Minimalnormen festlegen.
Ein Kritikpunkt betrifft die Einbürgerung, welche die OECD als Mittel zur Integrationsförderung betrachtet: Die Hürden auf dem Weg zum Pass sind in der Schweiz erheblich höher als in anderen OECD-Ländern.
Zu wenig Angebote für Migrantenkinder
Schlecht schneidet die Schweiz zudem bei der vorschulischen Erziehung ab. Diese sei in der Schweiz «stark unterentwickelt», heisst es in der Studie. Die Autoren empfehlen ein grösseres Angebot vorschulischer Erziehung und eine gezielte sprachliche Förderung von Migrantenkindern.
Würden die Kinder im Alter von drei oder vier Jahren gefördert, würde dies die Startchancen beim Eintritt in die Schule angleichen, sagte Yves Leterme. Gleichzeitig würde es den Müttern helfen. Die OECD sieht in der mangelnden frühkindlichen Förderung einen Grund dafür, dass Kinder von Immigranten mit tiefem Bildungsniveau in der Schule schlecht abschneiden.
Zu viel Diskriminierung
Schlechte Noten erhält die Schweiz schliesslich bei den Massnahmen gegen Diskriminierung. Die Autoren verweisen auf Untersuchungen, die zeigen, dass Personen mit Migrationshintergrund bei vergleichbarer Qualifikation fünfmal mehr Bewerbungen schreiben müssen, um zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Der institutionelle Rahmen zur Verhütung von Diskriminierung sei «dringend» zu verstärken, empfiehlt die OECD.
Bund gelobt Besserung
Der Bund zeigt sich bereit, die Empfehlungen aufzunehmen: Die Studie bestätige zu weiten Teilen die eigenen Analysen, sagte Mario Gattiker, der Direktor des Bundesamtes für Migration. Er erinnerte daran, dass der Bundesrat vergangenen Herbst einen Integrationsplan verabschiedet und gemeinsam mit den Kantonen Ziele festgelegt hat.
Geplant ist unter anderem eine Revision des Ausländergesetzes. Auch sollen künftig alle Neuzuziehenden begrüsst, informiert und auf Integrationsangebote hingewiesen werden. Zeichnen sich Risiken ab, sollen Integrationsvereinbarungen abgeschlossen werden - damit die Immigranten beispielsweise Sprachkenntnisse erwerben.(smus, sda)
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