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Warum Diktatoren-Armeen schwach sind

Die Opposition wird in Syrien von freiwilligen Djihadisten aus allen möglichen Ländern unterstützt. Auf der anderen Seite kämpft die syrische Armee. Assad setzt nun sogar schwere Waffen gegen die Opposition ein. Das Blatt wenden kann das Regime damit jedoch nicht.

Ein Oppositions-Soldat der freien syrischen Armee triumphiert auf einem Panzer des Assad-Regimes. Die Armeen von Potentaten werden laut Experten häufig massiv überschätzt. (Keystone)

Von Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent

Auf dem Papier sind Syriens Streitkräfte eindrücklich. Über 110 Helikopter, darunter 32 Kampfhubschrauber, über 300 Flugzeuge, über tausend Panzer - alles hauptsächlich von Russland geliefert. Ausserdem mehr als 300‘000 aktive Soldaten und nochmal so viele Reservisten.

Inzwischen setzt Diktator Bashar al-Assad sein Arsenal auch in grossem Umfang und ohne Skrupel ein. Trotzdem liess sich, für manche überraschend, die Opposition zumindest bisher nicht besiegen.

Diktaturen-Armeen überschätzt
Dafür gibt es mehrere Gründe: «Grundsätzlich neigen wir im Westen dazu, Armeen von Diktaturen zu überschätzen», sagt Mahmoud Mohamedou, Nahostexperte am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik und Professor am Institut für internationale Beziehungen.

Autokraten, gerade im Nahen Osten, kauften modernstes Kriegsgerät, weil das Prestige bringt - statt simplere Waffen, wie sie in Kleinkriegen nützlich sind.

Waffen ja - Unterhalt nein
Ein weiteres Problem: Diktatoren investieren gern in Waffen, aber zu wenig in die Ausbildung ihrer Truppen und in den Unterhalt des Materials. Deshalb ist von den gut dreissig syrischen Kampfhelikoptern zurzeit weniger als die Hälfte einsatzfähig.

«Dazu kommt das Problem der Loyalität und der Moral», so Strategieexperte Mohamedou. Die Zahl der Deserteure in Syrien wachse rasch. Zumal sich in einem Bürgerkrieg die Moral der Truppe weit schwieriger aufrechterhalten lasse als wenn es gegen einen äusseren Feind gehe.

Nur Regime-Verteidiger
Während in Demokratien die Soldaten ihr Land, ihre Heimat verteidigen, sehen sich Soldaten in Diktaturen bloss als Verteidiger eines Regimes. Eines Regimes, das zwar Generäle und Elitetruppen privilegiert, aber die Soldaten vernachlässigt; oder im Fall Nordkoreas gar Hunger leiden lässt.

Das erklärt, wieso Afghanistans Taliban binnen Tagen oder Saddam Husseins Streitkräfte binnen Wochen einbrachen. Und weshalb Ghadhafis Truppen der Nato kaum nennenswert Widerstand boten. Im Fall Irak entpuppte sich gar eine der gefürchtetsten Armeen beinahe als potemkinsches Dorf.

Schwierig zu siegen
Schliesslich zeigt sich auch in Syrien: Eine klassische Armee ist gut darin, eine feindliche Armee zu bekämpfen. Aber sie ist nicht das ideale Instrument, um Aufständische niederzuschlagen, die in Guerilla-Manier operieren.

Auch mit überlegener Feuerkraft ist ein weit unterlegener, aber entschlossener Gegner nur schwer besiegen. Eine Lehre, welche die USA und die Nato soeben in Afghanistan machten. (basn;bru)

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