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Dienstag, 10.7.2012

Revisionsgericht soll über Neuwahlen entscheiden

Der Machtkampf zwischen Militär und Islamisten in Ägypten geht weiter. Das Parlament tagte ungeachtet der vom Verfassungsgericht entzogenen Legitimation und will nun ein Revisionsgericht über Neuwahlen entscheiden lassen. Friedensnobelpreisträger al-Baradei warnte vor einer «Explosion».

Sitzung des ägyptischen Parlaments dauerte nur Minuten. Eröffnungsrede von Parlamentspräsident Saad al-Katatni vom Staatsfernsehen übertragen. (Reuters)

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi bleibt hart

Sollte Mursis Entscheid, die Auflösung des Parlaments rückgängig zu machen, bestätigt werden, wäre das ein bedeutender Sieg über die Generäle. Wie reagiert der Militärrat? Dazu ein Gespräch mit «Süddeutsche»-Korrespondent Tomas Avenarius.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Dienstag, 10.7.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Im dem nun seit Wochen andauernden Machtkampf zwischen den ägyptischen Muslimbrüdern und dem Militär ist kein Ende in Sicht. Das von den Islamisten dominierte Parlament forderte am Dienstag das Revisionsgericht auf, über die Auflösung des Parlaments und mögliche Neuwahlen zu entscheiden.

Linke und liberale Vertreter blieben fern
Die Abgeordneten folgten einem entsprechenden Vorschlag von Parlamentspräsident Saad al-Katatni, dessen Eröffnungsrede vom Staatsfernsehen übertragen wurde. Die Parlamentarier aus dem linken und liberalen Spektrum blieben der Sitzung fern. Das Parlament tagte, obwohl das Verfassungsgericht der Volksvertretung zuvor die Legitimität entzogen hatte.

Al-Katatni betonte weiter, sie müssten einen Weg finden, den Entscheid des Gerichts umzusetzen. Dies geschehe aus Respekt vor dem Gesetz, erklärte er. Danach wurde die Sitzung, die nur etwa fünf Minuten dauerte, vertagt. Der Parlamentspräsident kündigte an, er werde die Abgeordneten über das Datum der nächsten Sitzung informieren.

Verfassungsgericht gab Militärrat Recht
Präsident Mohammed Mursi, der wie al-Katatni aus der Muslimbruderschaft stammt, hatte am Wochenende versucht, das Parlament per Dekret wieder einzusetzen. Das Verfassungsgericht lehnte dies jedoch ab. Es hatte zuvor entschieden, dass die Parlamentswahl nicht korrekt verlaufen sei. Etliche Parteimitglieder hätten sich um Direktmandate beworben, die eigentlich für unabhängige Kandidaten vorgesehen waren.

Die Volksvertretung war nach dem Urteil des Verfassungsgerichts Ende Juni vom Obersten Militärrat aufgelöst worden.

Baradai: Politische und juristische Lösung nötig
Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohammed al-Baradei rief die Militärs und die islamistischen Parteien auf, eine politische Lösung zu suchen. Der ägyptischen Tageszeitung «Al-Shorouk» zufolge erklärte er: «Das nationale Bewusstsein erfordert, dass sofort ein Treffen zwischen dem Staatspräsidenten, den Vertretern der Legislative und dem Militärrat einberufen wird, um eine politische und juristische Lösung zu finden, die dem Land eine Explosion erspart.»

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle rief die Ägypter auf, den Demokratisierungsprozess fortzusetzen. Er gehe davon aus, dass sich der Präsident für Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Pluralität einsetzen werde, sagte er nach einem Treffen mit Präsident Mursi in Kairo.

Vorwürfe an Muslimbrüder
Ägyptische Kommentatoren und Politiker hatten den Muslimbrüdern in den vergangenen Tagen vorgeworfen, sie respektierten die Justiz und das Prinzip der staatlichen Gewaltenteilung nicht.

Al-Katatni betonte deshalb während der kurzen Sitzung am Dienstag: «Das Parlament respektiert das Urteil des Verfassungsgerichts.» Es sei aber der Auffassung, dass es die Aufgabe des Revisionsgerichts sei, darüber zu entscheiden, wie dieses Urteil umgesetzt werden solle. Al-Katatni hob die Sitzung auf, ohne einen Termin für die nächste Sitzung festzulegen. (bru;pet, dpa)

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Dossier, Letztes Update: Dienstag, 11.12.2012

Ägypten nach dem Ende der Ära Mubarak

Unbeschreiblicher Jubel brandete unter den Demonstranten auf Kairos Tahrir-Platz auf, als der seit drei Jahrzehnten herrschende Präsident Hosni Mubarak am 11. Februar 2011 dem wochenlangen Druck der Strasse nachgab und seinen Rücktritt verkündete. Nach 17 Monaten der Herrschaft will das Militär nun Ende Juni die Macht an den im Juni 2012 gewählten Präsidenten - den Muslimbruder Mohammed Mursi - übergeben.


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