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  • Putin kehrt in den Kreml zurück:

Porträt: Medwedew - Jurist ohne Machtinstinkt

Der jüngste Staatschef seit Zarenzeiten ist in vier Jahren Amtszeit überraschend blass geblieben. Scharfer Kritik an den Zuständen im eigenen Land liess der 46-jährige Dmitri Medwedew kaum Taten folgen. Vielen galt der Jurist ohnehin von Beginn an als Statist von Putins Gnaden.

Der Jurist Dmitri Medwedew hat seine politische Karriere vor allem einem Mann in Russland zu verdanken: Wladimir Putin. Nun soll sich der 46-Jährige nach vier Jahren als Kremlchef  künftig als Premierminister eine eigene Machtbasis erarbeiten.

Immer wieder hatte der jüngste Staatschef seit Zarenzeiten beklagt, keine politische Kraft hinter sich zu haben. Auch die Beamtenschaft kritisierte er dafür, seinen Anweisungen oft nicht Folge zu leisten. Vielen galt der frühere Musterschüler lediglich als jemand, der wegen seiner Loyalität zu Putin den Weg ins höchste Staatsamt schaffte.

Statist von Putins Gnaden?
Kremlkritiker wie der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow sahen ihn stets als einen Statisten von Putins Gnaden ohne eigenen Machtinstinkt, der mit seinem jungenhaften Aussehen, liberalem Auftreten und demokratischen Versprechen vor allem den Westen «russlandfreundlicher» machen sollte.

Medwedew kommt ebenso wie Putin aus Leningrad (St. Petersburg), anders als sein politischer Ziehvater wuchs er jedoch in einer Intellektuellen-Familie auf. Er machte nach allem, was bekannt ist, auch keine Geheimdienstkarriere. Medwedew studierte wie Putin Jura und arbeitete als Wirtschaftsberater in den von Chaos und Armut geprägten 1990-er Jahren. Damals lernte er auch Putin kennen, der ein hohes Amt in der Stadtverwaltung von St. Petersburg innehatte.

Als Putin den Sprung nach Moskau schaffte und die Geschäfte im Kreml übernahm, holte er das juristische Talent in die Hauptstadt. Medwedew wurde Chef der Präsidialverwaltung, später Vize-Regierungschef. Auch den Aufsichtsratsvorsitz beim Energieriesen Gazprom hatte er über Jahre inne.

Ankündigungen folgten keine Taten
Zwar halten demokratisch gesinnte Kräfte und die Opposition in Russland dem Familienvater zu Gute, mit seiner scharfen Kritik an den Zuständen im eigenen Land etwas in den Köpfen der Menschen bewegt zu haben. Sie werfen ihm aber vor, seinen liberalen Ankündigungen von einem besseren und moderneren Russland zu selten Taten folgen zu  lassen. Auch sein Anti-Korruptions-Kampf und Forderungen nach einem Rechtssystem ohne Willkür sowie die versprochene Stärkung der Zivilgesellschaft gelten als weitgehend erfolglos.

Der kremlkritische Moskauer Journalist Michail Fischman fällte unlängst ein vernichtendes Urteil: «Dmitri Medwedew ist unentschlossen, inskonsequent, seine wirklichen Absichten und Programme sind nicht erkennbar», schrieb er in einem Kommentar. Beobachter erwarten, dass sich Medwedew auch als Regierungschef kaum leichter in dem Machttandem mit Putin durchsetzen dürfte. (ank, dpa)

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