Film-Tipp: Kult aus den 70er Jahren
Wickie mit Freundin Ylvie. (Pathé Films)
Michael Bully Herbig, Jahrgang 1968, plündert konsequent seine Kindheitserinnerungen. «Winnetou» und «Raumschiff Enterprise» hat er in «Der Schuh des Manitou» und «(T)Raumschiff Surprise» verulkt. Mit «Wickie und die starken Männer» geht er nun aber ganz anders vor. Statt die Trickfilmserie aus den 70er Jahren zu parodieren, dreht er ein Kinoabenteuer mit Schauspielern, das dem Geist der Kinderserie völlig treu bleibt. Von den Asterix-Filmen mit Gérard Depardieu kann man das beispielsweise nicht sagen.
Die TV-Serie «Wickie und die starken Männer» basiert auf den gleichnamigen Kinderbüchern des Schweden Runer Jonsson. Initiiert wurde sie Anfang der 70er Jahre vom ZDF, realisiert wurde sie als Co-Produktion mit Österreich und Japan. Im Land der aufgehenden Sonne entstanden schliesslich 78 Folgen à 23 Minuten sowie ein 85-minütiger Spielfilm. ZDF und ORF strahlten die Serie 1974 bis 76 erstmals aus. Bullys Kinofilm zielt nun auf die Nostalgie ab: Eltern, Göttis und Gotten, Onkel und Tanten sollen den heutigen Knirpsen mit glänzenden Augen im Kino zeigen, was sie als Kinder toll fanden.
Die Geschichte ist rasch erzählt: Wickie ist zwar kleiner als die plündernden und brandschatzenden Männer aus dem Wikingerdorf Flake, aber er ist viel, viel schlauer als sie. Deshalb ist der Knirps auch unentbehrlich, als die Wikinger aufbrechen, um ihre entführten Kinder zu retten. Entbehrlich wäre einzig und allein Bully selber, der sich als Erzähler in Gestalt eines spanischen Reporters in Szene setzt. Die Figur ist ein völlig unnötiger Fremdkörper in diesem Wikinger-Kosmos und der einzige Fehlgriff im ansonsten liebevoll gemachten Kinofilm. Ganz ausgezeichnet ist, wie alle Schauspieler exakt nach ihren gezeichneten Vorbildern gestylt wurden.
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