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22.02.2010

Film-Tipp: Die Zukunft des Westernhelden

Wer eine plausible Story will, soll zu Hause bleiben. Wer Lust auf einen höchst stilisierten Endzeit-Thriller mit einem wortkargen Denzel Washington hat, soll ins Kino gehen und «The Book of Eli» reinziehen. Wobei es ein Vorteil ist, wenn man auf amerikanische Actioncomics und deren Pathos steht.

Sonnenbrille muss sein: Denzel Washington als einsamer Wanderer mit einer Mission. (Ascot Elite)

Gleich die allererste Szene schreit: «Seht her, ich bin ein ganz cooler Film!» In einem nebligen Wald schiesst ein Mann (Denzel Washington) mit Gasmaske eine völlig haarlose Katze. Warum er die Gasmaske trägt, die nachher nie mehr vorkommt, ist unklar. Vielleicht, damit ihn die Katze nicht erkennt. Wie dem auch sei, in der nächsten Szene wandert eben dieser Mann durch eine Wüste, die vermutlich gleich neben dem feuchten Nebelwald liegt. Am Abend brät er die Katze über einem Feuer, das er in einer Ruine angefacht hat. Zur Erholung liest er danach etwas im Buch der Bücher und stöpselt sich Kopfhörer in die Ohren, die mit einem ramponierten iPod verbunden sind. Was für ein cooler Werbespot.

Drastische Gewaltszenen
Später erfahren wir, dass vor 30 Jahren ein Atomkrieg die Welt zerstört hat. Dinge wie Wasser, Seife und Shampoo sind nun Luxus-Artikel. Und wie es das Schicksal will, wandert unser «Held» direkt in eine heruntergekommene Kleinstadt, wo sich ein gewisser Carnegie (Gary Oldman) als Herrscher aufspielt. Weil er denkt, er könne die Menschen mit Bibelsprüchen noch mehr manipulieren, lässt er seine hirnlosen Gangster das heilige Buch suchen. Doch nach dem Krieg wurden alle Bibeln verbrannt, weil viele Menschen dem Buch der Bücher die Schuld für den Krieg gaben.

Natürlich kommt es dann zur Grossen Auseinandersetzung zwischen dem Guten und dem Bösen, wobei festgehalten werden muss, dass der Gute auch ziemlich böse zuschlagen und zustechen kann. Die Gewaltszenen sind sehr drastisch, gleichzeitig aber so stilisiert und überzeichnet, dass man sie eigentlich nicht ernst nehmen kann. Dennoch: Zartbesaitete seien gewarnt, es spritzt ziemlich viel Filmblut über die Kinoleinwand.

Natürlich bekommt der Gute dann auch die schönste Frau des Films (Mila Kunis). Sie folgt ihm, weil es sie antörnt, wenn er aus der Bibel zitiert. Faszinierend, wie man in der Zukunft Frauen aufreissen kann. Aber so ist es nun mal in diesem Endzeit-Thriller, den man ebenso gut einen postapokalyptischen Western nennen könnte.

Comics und Filme werden zitiert
Regie geführt haben die Brüder Albert und Allen Hughes, die schon den Serienmörder-Comic «From Hell» optisch opulent inszeniert haben. Diesmal bedienen sie sich bei allen möglichen Comics und Filmen. Allen voran bei der belgischen Comicserie «Jeremiah», die genau dieselbe Endzeit-Kulisse mit Motorrad fahrenden «Cowboys» zelebriert. Dann gibt es Zitate von «Fahrenheit 451» über «Spiel mir das Lied vom Tod» bis zu «Mad Max». Alles, was cool aussieht, wird in den Film gepackt und teilweise gleich auch wieder ironisch gebrochen. Fürs reine Action-Publikum ist «The Book of Eli» daher zu anspruchsvoll, für anspruchsvolle Kinogänger indes zu plakativ. Wer sich irgendwo in der grauen Mitte ansiedelt, der kann durchaus 99 kurzweilige Filmminuten erleben. Mit einer völlig überraschenden Schlusspointe, die freilich alles Vorangehende noch unplausibler erscheinen lässt.

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Die Kritik des Filmexperten Reto Baer
Hören (3:41)



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DRS 3-Filmredaktor Reto Baer kennt die neusten Filme genauso gut wie die Klassiker und erklärt jeden Montag und Samstag jeweils nachmittags, welche Streifen einen Gang ins Kino lohnen.

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