Film-Tipp: Wein, Weib und Gesang
Waren ein Ehepaar und sangen zusammen «Je t’aime… moi non plus»: Serge Gainsbourg (Eric Elmosnino) und Jane Birkin (Lucy Gordon). (Pathé Films)
Der Film lebt vor allem von der blasierten Arroganz des Serge-Gainsbourg-Darstellers Eric Elmosnino. Ständig eine qualmende «Gitanes Bleu» im Mundwinkel spielt sich der 45-jährige Franzose durch das ganze Leben seines singenden Landsmannes.
Ganz zu Beginn verkörpert allerdings der elfjährige Lausanner Kacey Mottet Klein («Home») den Chansonnier als Kind. Da heisst Serge Gainsbourg noch Lucien Ginsburg und behauptet, Klavierspielen interessiere ihn nicht, da man damit kein Geld verdienen könne.
Riesennase und Segelohren
Von Anfang an wird Gainsbourgs Aussehen thematisiert und mit den Fratzen auf antisemitischen Plakaten während der Nazibesetzung verglichen. Als seine Schattengestalt tritt La Gueule (die Fratze) auf, eine Kunstfigur, die eine Maske mit überdimensionierter Nase und riesigen Segelohren trägt.
La Gueule wird einerseits zum Synonym für künstlerische Inspiration, anderseits aber auch für Zügellosigkeit. Denn der erwachsene Gainsbourg zeigt keinerlei Bedürfnis, Mass zu halten: Er raucht und trinkt, ohne je eine Sekunde an seine Gesundheit zu denken. Und er sammelt Frauen wie andere Briefmarken.
«Je t'aime... moi non plus»
Hier verkommt der Film allerdings beinahe zum blossen «name dropping». Laetitia Casta spielt Brigitte Bardot, Anna Mouglalis die Sängerin Juliette Gréco, und Lucy Gordon verkörpert Jane Birkin, die Gainsbourgs berühmtestes Lied «Je t'aime... moi non plus» hauchte.
Lucy Gordon ist der Film auch gewidmet. Die englische Schauspielerin hat sich zwei Wochen nach Drehschluss am 20. Mai 2009 das Leben genommen, zwei Tage vor ihrem 29. Geburtstag. Serge Gainsbourg starb einen Monat vor seinem 63. Geburtstag am 2. März 1991 an einem Herzinfarkt.
Comiczeichner als Regisseur
Dort, wo Regisseur Joann Sfar seine Herkunft vom Comic herausstreicht, ist «Gainsbourg» am stärksten. Doch der Zwang, sich an die reale Biografie Gainsbourgs zu halten, führt zur Wiederholung altbekannter Künstler- und Musikerklischees, so dass man sich am Ende fragt, ob das Gen für Genialität tatsächlich nur im Doppelpack mit Selbstzerstörung zu haben ist.
Dennoch: Der Film ist kein 0815-Biopic, enthält viele originelle und berührende Momente und vermittelt eine Ahnung davon, warum so ein unattraktiver Mann einige der schönsten Frauen der Welt bekam. (rb)
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