Film-Tipp: Schlatti mit Schwung
Beat Schlatter (weisses Shirt) tritt am Eidgenössischen Schwingfest gegen den 16-jährigen Jungschwinger Martin Aeschlimann an. (Ascot Elite)
6 = phänomenal; 5 = sehr gut; 4 = gut;
3 = akzeptabel; 2 = schlecht; 1 = unter jedem Bär
Die meisten Dokumentarfilme funktionieren gleich: Das Thema wird einem filmisch und teils mit Archivaufnahmen näher gebracht. Dazu gibt es Experten, die vor laufender Kamera ihre Einsichten preisgeben. Der Filmer selber hält sich mit Kommentaren zurück.
Dann kam Michael Moore, exponierte und inszenierte sich selber auf provokative Art. Das ermutigte diverse Dokumentarfilmer, Neues zu wagen. Der in Holland wohnende Schweizer This Lüscher schickt nun einen Komiker und Schauspieler ins Reich der Schwinger.
Sport ist (nicht immer) gesund
Beat Schlatter, bekannt aus Film und Fernsehen, soll quasi als Identifikationsfigur des urbanen Zuschauers selber in die Schwingerhosen steigen. Gute Idee, aber etwas naiv und voreilig umgesetzt.
Denn Beat Schlatter holt sich gleich beim ersten Training vor laufender Kamera eine Innenbandzerrung. Nach einer halben Stunde Drehzeit muss der Regisseur This Lüscher seinen «Star» in die Notfallaufnahme fahren.
Deutscher Schwingerkönig?
Genau solche ungeplanten Momente machen letztlich die Stärke des Films aus. Dazu kommen Schlatters hinterlistige Fragen wie: Was wäre, wenn mal ein Ausländer Schwingerkönig würde? Zum Beispiel ein Deutscher? Da geraten die Muskelprotze aus der Schwingerszene aufs Glatteis, aber im Sägemehlkreis hat Beat Schlatter kein Brot gegen sie.
«Hoselupf» ist bis auf den unnötigen Titelzusatz «Oder wie man ein Böser wird» ein gelungener Dokumentarfilm und sehr unterhaltend. Der andere Ansatz zahlt sich aus. (rb)
Filmbären:
6 = phänomenal; 5 = sehr gut; 4 = gut; 3 = akzeptabel; 2 = schlecht; 1 = unter jedem Hund
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