.NEW .WORLD .ONLINE: Die neuen Internet-Adressen kommen
Weil es da schön ist?
Fast 2000 Bewerbungen sind bei der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) eingeganen, der Non-Profit-Organisation, die Zuteilung und Verwaltung von Internet-Adressen regelt. Unter den Bewerbungen sind Marken wie .OMEGA oder .UBS, Organisationen wie .EUROVISION oder .CERN, allgemeine Begriffe wie .RADIO, .LOVE oder .LOL und auch staatliche Institutionen wie bei .SWISS oder .ZUERICH.
Damit beginnt ein grundlegender Liberalisierungsprozess der sogenannten Top Level Domains (TLDs). Bisher gab es neben den Länder-Kürzeln (wie .CH) lediglich einige wenige sogenannte «generische» TLDs. .COM oder .NET sind die bekanntesten. Nun wird es eine Unzahl weiterer solcher gTLDs geben: 1930 Eingaben sind bei der ICANN deponiert. Die Organisation wird nun entscheiden müssen, wer welche erhält.
Bakom gegen Swiss
Dabei geht es einerseits darum, zu prüfen, ob die Bewerber technisch und organisatorisch in der Lage sind, ihre gewünschte TLD zu verwalten und zu betreiben. Andererseits müssen Konflikte gelöst werden. Für .BABY z.B. bewerben sich sechs verschiedene Organisationen. Auch .SWISS wurde sowohl vom Bundesamt für Kommunikation als auch der gleichnamigen Fluglinie beantragt.
Gemäss der Regeln der ICANN erhalten Bewerbungen von staatlichen Institutionen gegenüber rein kommerziellen den Vorzug. Das Bakom und die Swiss hatten im Vorfeld bereits Kontakt, Absprachen gab es aber keine. Man signalisiert im Bakom dennoch, dass eine gütliche Einigung wohl möglich sei.
Zürich bewirbt sich als einziger Kanton
Als einziger Kanton der Schweiz hat sich Zürich für eine Bewerbung entschlossen und .ZUERICH eingegeben. Diese TLD soll nicht öffentlich verfügbar werden. Man will stattdessen lediglich Organisationen zulassen, die einen engen Bezug zum Kanton haben, bekannte Unternehmen oder kantonale Behörden zum Beispiel. Dieser Grundsatz steht fest, wie er aber im Detail ausgestaltet wird, ist noch offen.
Die Überlegungen im Bakom sind die gleichen: Auch .SWISS soll für Unternehmen oder Institutionen mit klarem Schweiz-Bezug sein, man will die Marke Schweiz nicht trüben. So versucht das Bakom auch, Interessen der Wirtschaft zu berücksichtigen.
Gemäss einer Studie der Stadt Berlin lohne sich der Betrieb einer eigenen TLD erst in einem Einzugsgebiet mit ca. 2 Millionen Einwohnern. Aus diesem Grund hat sich zum Beispiel Basel gegen eine Bewerbung entschieden.
Einzelpersonen können sich übrigens nicht bewerben. Die Kosten von rund 180'000 Franken pro Bewerbung dürften allerdings ohnehin den Kreis der Interessenten einschränken.
ICANN in der Kritik
Die weiteren Termine (Wann erhalten die Bewerber den Zuschlag? Wann gibt es weitere Bewerbungsmöglichkeiten?) sind noch offen. Der Prozess der Bewerbung war bereits von einigen Turbulenzen, immer wieder verschobenen Terminen und unglücklichen Veröffentlichungen geprägt.
Auch das Bewerbungsprozedere an sich wird kritisiert. Es wird z.B. bemängelt, dass TLDs für Staaten, Marken/Unternehmen oder andere Gruppierungen alle gleich behandlet werden, obwohl die Interessen sehr unterschiedlich sein können.
Der etwas chaotische Prozess entspricht allerdings der Internet-Tradition. Einfache Regeln können vielleicht nicht die Bedürfnisse nach Rechtssicherheit und Planbarkeit von grossen Unternehmen und Staaten befriedigen, ermöglichen dafür eine schnelle Entwicklung. Und das ist das Ziel der Liberalisierung: Neue Adressen ermöglichen neue Zugänge zu Information.
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