My Heart Will Go On...bitte nicht!
Bald auch wieder in den Charts? Céline Dion mit «My Heart Will Go On»
Ich will ganz ehrlich sein: Ich habe eigentlich nichts gegen Céline Dion. Es ist vielmehr ihre Musik, mit der ich nur sehr wenig anfangen kann. Nicht, weil ich etwas gegen Popmusik habe, ich mag Pop, wenn er gut gemacht ist und Herz hat. Aber auch da gibt es Ausnahmen.
1997 waren MTV und Radio neben meines Walkmans (!) noch meine wichtigsten Musikquellen. Mein erster portabler CD-Player liess noch eine Weile auf sich warten. Daher verbrachte ich Nachmittage damit, die besten Songs im Radio auf meiner Stereoanlage auf Tape mitzuschneiden und mir auf MTV oder VIVA tolle neue Videos anzusehen.
Zu viel...von allem!
Ich weiss nicht, was meine Abneigung gegen diesen Song startete, ob es nun der Overkill an «My Heart Will Go On» - Wiederholungen im Radio-Tagesprogramm oder das schreckliche, vor Pathos triefende Video der kanadischen Sängerin war. Vielleicht war es einfach von allem zu viel: Zu viel kitsch, zu viel Emotionen, zu viel über Liebe, zu viele Wiederholungen - einfach zu viel «Céline Dion».
Und doch ist «My Heart Will Go On» ein unglaublich erfolgreicher Song. Mit Nummer eins Platzierungen in über 25 Ländern ist es bis dato Dions weltweit erfolgreichste Single und wurde gar mit zwei Grammys ausgezeichnet. Das ist zwar nach wie vor kein Indiz für Qualität, dafür aber für Erfolg.«My Heart Will Go On» war nicht nur der meistgespielte sondern auch erfolgreichste Song des Jahres 1998.
Die Qualität hinter dem Erfolg
Aber was machte diesen Song so erfolgreich? Vielleicht liegt der Grund darin, dass mit James Horner einer der erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods den Song komponierte. Mit zwei Oscars, drei Grammys und zwei Golden Globes und unzähligen Nominierungen sind das beste Voraussetzungen für einen Hit.
Nicht zu vergessen ist, dass «My Heart Will Go On» durch die tragische Geschichte des Films zusätzliche Emotionalität und Tiefe verpasst bekam. Durch den Film berührt oder aufgerüttelt, mochte sich so manch einer in schwachen Minuten oder Stunden dem Soundtrack zuwenden. Viele hätten sich ohne «Titanic» dem Song wohl nur in einem Sicherheitsabstand von zehn Metern genähert.
Und zum Schluss ist da auch noch Céline Dion. Zwar vermehrt einem älteren Publikum zugewandt, schaffte die Sängerin, dem Score eine emotionale Breite zu geben. Noch heute hält sich das Gerücht, sie habe den Song gar nur wiederwillig eingesungen. Ha, selber Schuld! Mir persönlich stösst der Overkill an Pathos, Heulerei und Tragik übler auf als zehn Coladosen hintereinander, aber für einen grossen Film braucht es grosse Gefühle. Und das beherrscht Céline Dion damals wie heute perfekt.
Ein Stück Musikgeschichte
«My Heart Will Go On» spaltet die Meinungen. Meine eigene übrigens gleich mehrfach. Mache mögen sich ihren Emotionen hingeben, andere mögen sich übergeben, aber ein Fakt ist unumstösslich: «My Heart Will Go On» ist einer der grössten und erfolgreichsten Songs der Popgeschichte und untrennbar verbunden mit einem der grössten Filme der Kinogeschichte. Und wenn dieser nun, 100 Jahre nach dem Untergang der Titanic, in der Dritten Dimension in die Kinos kommt, wird auch Céline Dions Welthit wieder durch die Kinosääle und Radiostationen dieser Welt klingen.
Gott sei dank habe ich heute einen iPod.

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