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Bei den Beatles war die grundsätzliche Qualität ihrer Kompositionen derart hochstehend, dass auch ihre B-Seiten zu Klassikern wurden und keineswegs als schwächere oder vernachlässigbare Nummern gelten.
(SRF)
Viele Bands wären noch so froh, hätten ihre Kompositionen wenigstens die Qualität von Beatles-B-Seiten. Zudem drückten sich die Beatles 1965 um diese Entscheidung und veröffentlichten mit «We Can Work It Out» und «Day Tripper» die erste Doppel-A-Seiten-Single der Musikgeschichte.
Eine Besonderheit des Vinyl-Zeitalters waren die Single B-Seiten. Die Beatles griffen dafür nicht etwa auf vorhandenes Material zurück, sondern platzierten bis auf wenige Ausnahmen auf den Rückseiten ihrer Hits neue Songs, die sonst auf keinem ihrer Alben auftauchten.
Bei diesen B-Seiten handelt es sich keinesfalls um minderwertige oder unfertige Stücke. Oft lieferte eine Rückseite einen Kontrast zur A-Seite, ein schneller Rock’n’Roll-Song traf auf eine Ballade, eine Lennon Komposition bekam einen Song von McCartney als Gegenstück, oder es fand sich dort ein Song von experimentellerem Charakter.
Auch in ihrer Spätphase blieben die Beatles ihrem Motto «Single B-Seiten kommen nicht aufs Album» grösstenteils treu. Selten kombinierten sie so gekonnt experimentelle Klänge und hymnische Psychedelik wie auf «Rain».
Noch nie zuvor hatten sie so locker improvisiert wie auf «Baby You’re A Rich Man». George Harrisons kraftvoller Boogie «Old Brown Shoe» gabs zusammen mit «The Ballad Of John And Yoko». Witzig und bizarr klingt einer der am wenigsten bekannten Beatles-Songs überhaupt: «You Know My Name (Look Up The Number)» – B-Seite von McCartneys Gospel «Let It Be». John Lennons soulige Komposition «I Call Your Name» findet sich auf der EP «Long Tall Sally». EP steht für «Extended Play» und war in den Sixties neben den normalen Singles ein gängiges Format mit vier Songs auf 45 Touren.