Der Uno-Umweltgipfel «Rio+20»
Die Umweltkonferenz «Rio+20» der Uno findet vom 20. bis 22. Juni 2012 in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro statt. Der Gipfel soll helfen, die Weichen für eine umfassende nachhaltige Entwicklung zu stellen. Denn die Menschheit lebt und wirtschaftet nach wie vor nicht nachhaltig und gefährdet damit ihre Lebensgrundlagen.
Auch nach diversen Absagen - so werden etwa US-Präsident Barack Obama und sein Kollege aus China, Hu Jintao, sowie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nicht teilnehmen - werden Dutzende Staats- und Regierungschefs in Rio erwartet.
Verzichten auf eine Reise nach Rio wird auch Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf. Trotzdem wird die Schweiz mit einer Delegation vertreten sein: sie wird von Bundesrätin und Umweltministerin Doris Leuthard angeführt. Die Tagung gilt als eine der grössten Konferenzen zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit in der Geschichte der Uno.
Was will «Rio+20»?
Der Name «Rio+20» bezieht sich auf den wegweisenden Erdgipfel, der vor 20 Jahren ebenfalls in Rio stattgefunden hat. 1992 einigte sich die Weltgemeinschaft unter anderem auf ein Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung für das 21. Jahrhundert, die so genannte Agenda 21. An der diesjährigen Konferenz soll nun eine Zwischenbilanz gezogen und neue Perspektiven entwickelt werden.
So soll das Konzept der Grünen Wirtschaft eine der Kernbotschaften von «Rio+20» werden und das Prinzip der Nachhaltigkeit in alle Wirtschaftsbereiche tragen.
Anklage auf 525 Seiten
Doch ob dem Gipfel der grosse Wurf gelingt, wird stark bezweifelt: So warnten Uno-Experten zwei Wochen vor dem Treffen unmissverständlich, dass der internationale Umweltschutz kaum Fortschritte macht. Im so genannten Bericht über den Zustand der Erde («Geo-5») zieht das Uno-Umweltprogramm (Unep) eine vernichtende Bilanz.
Auf 525 Seiten zeigen die Wissenschaftler, dass die Welt nur gerade vier von 90 Umweltschutzzielen umgesetzt hat. Nach Millionen von Statements, Hunderten Vereinbarungen und international geregelten Zielen gebe es in den allermeisten Bereichen kaum Fortschritte. Ein «weiter wie bisher» gefährde die Existenzgrundlage der Erde und hinterlasse nachkommenden Generationen eine kaum zu schulternde Bürde.
Warum gibt es kaum Erfolge?
Warum gibt es trotz unzähliger Konferenzen, Deklarationen und Arbeitsgruppen nur so wenig Fortschritte? Die Antworten sind vielschichtig. Es gibt Wirtschafts- und Finanzkrisen, die Weltbevölkerung ist auf sieben Milliarden Menschen angewachsen und es besteht eine Kluft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Vor allem aber geniessen die Umwelt und das Prinzip der Nachhaltigkeit keine Priorität in der Politik. (daua/gstf, sda/dpa)
Weiterführende Links zum Beitrag:
- Ein kleines Begriffslexikon von Agenda 21 bis Zukunftsfähigkeit
- Fotostrecke: 20 Jahre von Rio zu «Rio+20»
- Quiz zu «Rio+20»
- Offizielle Webseite der Uno-Konferenz über nachhaltige Entwicklung «Rio+20»
- Schweizer Plattform für «Rio+20»
- Vollständiger deutscher Text der Agenda 21
- Wie die Agenda 21 in der Schweiz umgesetzt wird
- Offizieller Bericht über den Zustand der Erde («Geo-5»)
- «Geo-5» als Video
- Was ist grüne Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung? Video des Uno-Forschungsinstituts für soziale Entwicklung
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