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Dienstag, 17.4.2012

Fluch und Segen der Sojabohne

Am Abend fahre ich mit Diogo Molina von der Umweltorganisation «The Nature Conservancy» von Cuiabá, der Hauptstadt des Bundesstaates etwa 350 km nach Norden, nach Lucas do Rio Verde - oder Soja-City wie manche auch sagen.

Die Stadt Lucas do Rio Verde verdankt ihr modernes Rathaus der Sojabohne (Thomas Häusler / SRF)

Von Mato Grosso kommen acht Prozent der weltweit geernteten Sojabohnen. Vorboten dieses ungeheuren Anbaus sind schon bald auf der Fahrt zu sehen: Uns kreuzen Hunderte von Lastwagen, die meisten davon gefüllt mit Sojabohnen auf dem Weg nach Süden, in die Verladehäfen an der Küste.

Zerstörung der Cerrado
Die Stadt Lucas do Rio Verde ist nur 24 Jahre alt. Vorher gab es hier nichts ausser der Cerrado - ein Buschland, von dem Wissenschaftler sagen, dass es fast so viele Tier- und Pflanzenarten beherbergt wie der Amazonasregenwald, der einige Dutzend Kilometer nördlich von Lucas beginnt.

Aber kaum jemand sorgt sich um die Cerrado, obwohl dieses Ökosystem bereits viel stärker von Motorsägen, Feuer und Pflug zurückgedrängt worden ist als der Regenwald. Gerade noch die Hälfte der ursprünglichen Fläche der Cerrado sind noch einigermassen intakt. Der Rest ist zu grossen Teilen zu Soja-Äckern geworden.

Der neue Reichtum
Der Reichtum, den das schafft, ist in Lucas zu besichtigen. Die Stadt wirkt mit ihren properen Häusern, den schönen Schulen und vielen Läden um Längen wohlhabender als andere brasilianische Städte auf dem Land.

Das neueste Zeichen dieses Reichtums ist der neue Rathauskomplex. Es dürfte der eindrücklichste seiner Klasse sein im ganzen Land.

Unendliches Wachstum
Den deutschstämmigen Bürgermeister und Unternehmer Marino Franz treffe ich in seinem Büro. Als ich Franz frage, wie der 24-jährige Ort in 24 weiteren Jahren aussehen soll, antwortet er: «Wir rechnen mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl auf etwa 160'000 in zehn Jahren und wir planen für eine halbe Million.»

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