Being Barack: Das Abenteuer des Louis Ortiz
Foto & Video: SimonLuethi (8salamanderProductions)
Wäre sein Leben eine TV-Show käme jetzt die Werbeunterbrechung. Noch ist nicht klar, ob die Geschichte glücklich endet oder tragisch. Louis' Leben könnte fürs Fernsehen geschrieben worden sein. Der arbeitslose Telefontechniker aus der Bronx mit einem Gesicht, das dem des mächtigsten Mannes der Welt so ähnlich sieht.
Pleite, verschuldet, krank
Louis leidet an einer chronischen Krankheit, an Multipler Sklerose. Er hat wie so viele seiner Landsleute keine Krankenversicherung. Von seinem Job wurde Louis gefeuert. Zur Zeit, als Obama durchs Land zog und «Hoffnung» und «Wechsel» versprach, hatte Louis nichts ausser Schulden und einer enttäuschten Tochter.
Louis hatte damals keine Ahnung, wer Obama ist. Doch immer mehr Freunde sagten ihm, dass er diesem Typen aus den Nachrichten wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Auch sein Freund Pat. Er war es, der Louis von dem Geld erzählte, das er verdienen könnte. Es gibt unzählige Doubles in den USA, die bis zu 8000 Dollar am Abend machen.
Louis ging nach Hause, und rasierte sich zum ersten Mal seit Jahren. «Ich konnte es kaum glauben. Ich sah ihn! Ich sah Obama.» Er kaufte sich zum ersten Mal in seinem Leben einen Anzug, und ging auf Jobsuche.
Aus der Bronx in die Welt
Vier Tage vor Obamas Wahl ins Weisse Haus rief in seine Agentur an. Der TV-Sender HBO wollte ihn für eine Rolle in «Flight of The Conchords», eine der angesagtesten Serien damals.
«Ich glaube ich hatte Tränen in den Augen.» Jetzt kamen die grossen Jobs. Auftritte in Werbespots (zum Beispiel den hier) in Australien, Japan, Südkorea, TV-Shows, Comedyauftritte.
Doch diese Jobs liegen zwei Jahre zurück. Denn Louis hat ein Problem. Er ist kein Schauspieler, er ist Telefontechniker. Er sieht Obama zwar so ähnlich wie kaum ein anderer. Doch gefragt sind Imitatoren, nicht Doubles. «Ich schaue mir Reden auf YouTube an, und versuche so zu sprechen wie er.» Und er träumt von Hollywood, davon Star in Action-Filmen zu sein.
Louis, der Filmstar
«Wenn Obama im Herbst wiedergewählt wird, dann sehe ich grosse Dinge auf mich zu kommen.» Einer ist schon auf ihm aufmerksam geworden, und hat ihn zum Held gemacht: Dok-Filmer Ryan Murdock.
Für «The Audacity of Louis Ortiz» begleitet er Louis seit einem Jahr. «Es ist diese sehr amerikanische Geschichte», sagt er. «Ein kleiner Mann, der diese Chance sieht, und sie beim Schopf packt.»
Man wünscht sich für Louis ein Happy End. Bis jetzt ist er einfach einer der wenigen Amerikaner, für die Obama sein Versprechen eingelöst hat. Es besteht Hoffnung.
Michaël Jarjour ist freier Journalist in Brooklyn, New York. Ihr könnt ihm auch auf Twitter folgen: @derjarjour
