Atommächte Indien und Pakistan suchen Dialog
Indiens Premier Manmohan Singh (r) begrüsst pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari am Sonntag zu Gesprächen in Delhi. (Keystone)
Beim ersten Besuch eines pakistanischen Staatsoberhaupts im Nachbarland Indien seit 2005 haben die Atommächte demonstrativ nach Lösungen in Streitfragen gesucht. «Es ist unser gemeinsames Ziel, die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan zu normalisieren», sagte der indische Premierminister Manmohan Singh am Sonntag nach dem Treffen mit Pakistans Präsident Asif Ali Zardari in Neu Delhi. Zwar gebe es zahlreiche Probleme, doch beide Seiten wollten «praktische und pragmatische Lösungen» dafür finden.
Zardari lädt zu Gegenbersuch
Beide Staaten seien Nachbarn, daher wünsche sich Pakistan bessere Beziehungen zu Indien, sagte Zardari. Er nannte die Unterredung «ergiebig» und lud Singh zu einem Gegenbesuch in Pakistan ein. Nach Angaben des indischen Aussenministerium sprachen die Spitzenpolitiker bei ihrem halbstündigen Vier-Augen-Gespräch unter anderem über die Bedrohung durch den Terrorismus und den Konflikt in der zwischen beiden Ländern umstrittenen Region Kaschmir.
Zardari war am Sonntagmittag (Ortszeit) zu einem Kurzbesuch in Indien eingetroffen. Es ist die erste Indienreise eines pakistanischen Staatschefs seit dem Besuch von Ex-Präsident Pervez Musharraf im Jahr 2005. Zunächst war die Reise als private Pilgerfahrt zu einem muslimischen Heiligtum im Bundesstaat Rajasthan geplant. Nach Bekanntwerden des Besuchs hatte Premier Singh Zardari jedoch auch zu einem Treffen nach Neu Delhi eingeladen.
Besuch von Sufi-Heiligtum
Nach einem gemeinsamen Mittagessen flog Zardari in die rund 400 Kilometer südwestlich von Neu Delhi gelegene Stadt Ajmer. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen besuchte er dort das Grabmal eines in ganz Südasien verehrten Sufi-Gelehrten aus dem 12. Jahrhundert. Nach indischen Medienberichten versprach Zardari vor seiner Rückreise nach Pakistan dem Schrein ein Spende in Höhe von einer Million Dollar.
Der Sufismus ist eine in der Region weit verbreitete moderate Form des Islam, zu der die Verehrung von Heiligen, religiöse Gesänge und Meditation gehören. Gemeinsam mit seiner ermordeten Ehefrau Benazir Bhutto hatte Zardari den Schrein bereits 2005 besucht.
Anschläge von Mumbai
Die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan waren durch die Terroranschläge von Mumbai Ende 2008 mit mehr als 160 Toten erheblich belastet worden. Neu Delhi macht die aus Pakistan operierenden Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba (LeT) für die Tat verantwortlich. Die US-Regierung hatte dieser Tage ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Dollar auf den in Pakistan lebenden LeT-Gründer Hafiz Muhammad Saeed ausgesetzt.
Nach einer diplomatischen Eiszeit haben sich beide Seiten inzwischen wieder angenähert und die nach den Mumbai-Anschlägen ausgesetzten Friedensgespräche fortgesetzt. Auch die Spitzenpolitiker beider Länder haben sich seitdem immer wieder am Rande internationaler Konferenzen getroffen. Zudem war Pakistans Regierungschef Yousaf Raza Gilani im März vergangenen Jahres nach Indien gereist, um auf Einladung Singhs das Halbfinale der Kricketweltmeisterschaft zwischen beiden Ländern anzusehen. (bru, dpa)
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