Indien testet atomwaffenfähige Langstreckenrakete
Eine atomfähige Rakete vom Typ «Agni V» startet vor der Küste Indiens. (Reuters)
Neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Grossbritannien, Frankreich und China gelten auch Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea als Besitzer nuklearer Sprengköpfe. Nach Schätzung der Federation of American Scientists (FAS) gibt es weltweit rund 19'500 Sprengköpfe, von denen 4830 einsatzbereit sind. Die Liste: Russland (10'000 Sprengköpfe; 2430 einsatzbereit), USA (8500; 1950), Frankreich ( 300; 290), China ( 240; unbekannt), Grossbritannien ( 225; 160), Pakistan (90 bis 110; unbekannt), Indien (80 bis 110; unbekannt), Israel (80; unbekannt), Nordkorea (weniger als 10; unbekannt).
Indien hat erstmals eine atomar bestückbare Langstreckenrakete abgefeuert. Die 17 Meter lange und 50 Tonnen schwere Rakete vom Typ «Agni V» startete um 4 Uhr 30 (MESZ) von einem Testgelände vor der Küste des östlichen Bundesstaates Orissa. Sie hat eine Reichweite von mindestens 5000 Kilometern und könnte damit auch Ziele in Europa oder China erreichen.
Mehrere Fernsehstationen zeigten Bilder des Versuchs. Nach Angaben der für die Entwicklung von Militärtechnologie zuständigen Behörde verlief der Test erfolgreich.
Indiens Angst vor China
Indien sei damit zu einer grossen Raketenmacht aufgestiegen, sagte der Chef der Entwicklungs-Behörde. Indien würde damit zu den wenigen Staaten gehören, die über atomare Interkontinentalraketen verfügten. Nur die ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich haben derartige Systeme. Das indische Raketenprogramm wird vor allem mit einer möglichen Bedrohung durch China begründet.
China: Beziehungen entwickeln sich gut
China reagierte zurückhaltend auf den Raketentest.. «Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Kooperationspartner», sagte der Sprecher des Aussenministeriums, Liu Weimin. Die Beziehungen zwischen Indien und China entwickelten sich gut. Beide Seiten sollten ihre freundschaftlichen Beziehungen vertiefen und «positiv» zu Frieden und Stabilität in der Region beitragen.
China und Indien seien Schwellenländer, die im Rahmen der Brics-Gemeinschaft mit Brasilien, Russland und Südafrika gemeinsam Probleme anpackten. «Beide Seiten sollten die gute Situation zu schätzen wissen, die nicht leicht zu erreichen gewesen ist.»
Ein Kommentar in der nationalistischen Zeitung «Global Times», die dem kommunistischen Parteiorgan «Volkszeitung» gehört, schlug aber deutlich härtere Töne an: «Indien sollte seine Stärke nicht überschätzen», hiess es darin. «Selbst wenn sie eine Rakete haben, die fast alle Teile Chinas erreicht, heisst das nicht, dass sie etwas gewinnen, wenn sie in Streitigkeiten mit China arrogant auftreten.» (smus/bru, dpa)
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