Managed Care droht Ablehnung
Der Nutzen von Managed Care ist nicht für alle ersichtlich. (Keystone)
Für die repräsentative Erhebung befragte GFS Bern zwischen dem 30. April und 5. Mai 2012 insgesamt 1205 Stimmberechtigte mit Wohnsitz in der Schweiz. Mittlerer Befragungstag war der 1. Mai 2012. Für die Befragung wurden 700 Interviews in der deutsch-, 305 in der französisch- und 200 in der italienischsprachigen Schweiz geführt. Bei gesamtschweizerischen Aussagen liegt der Stichprobenfehler bei -/+ 2,9 Prozentpunkten.
Fast ein Jahrzehnt haben Regierung und Parlament nach einer Lösung gesucht, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken und dessen Effizienz zu steigern. Managed Care heisst das Produkt dieses langwierigen politischen Prozesses: Kranke werden vom Hausarzt gezielt zu weiteren Fachärzten geschickt, der Behandlungsprozess damit quasi gemanagt. Am 17. Juni stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Vorlage ab.
Selten so schlecht abgeschnitten
Wie eine Umfrage von GFS Bern im Auftrag der SRG nun aber zeigt, wären anfangs Mai nur gerade 33 Prozent bestimmt oder eher dafür gewesen, ganze 44 Prozent bestimmt oder eher dagegen. Selten haben in dieser Phase des Abstimmungskampfes eine Vorlage von Parlament und Regierung so schlecht abgeschnitten, sagt Forschungsleiter Claude Longchamp.
Die GFS-Bern-Umfrage zeige zudem, dass es in keiner einzigen Partei eine überzeugte Mehrheit für diese Vorlage gebe. Aus linken Kreisen, aus denen auch das Referendum ergriffen wurde, drohe schon lange die Ablehnung. Zusätzlich hätten die SVP und BDP jetzt die Nein-Parole beschlossen. Im Parlament haben beide Parteien noch für die Vorlage gestimmt.
Stimmvolk skeptisch und schlecht informiert
Für das Ja-Lager sei die Situation schwierig, sagt Claude Longchamp. Die Leute seien skeptisch und überwiegend schlecht informiert. Die Managed-Care-Vorlage sei kompliziert und habe «im Moment noch nicht einen wirklich ersichtlichen Nutzen für die Versicherten». Dem Versprechen nach mehr Qualität und mehr Effizienz stehe die Befürchtung gegenüber, dass für dieselben Leistungen am Ende mehr bezahlt würden müsse.
Das Rennen sei zwar noch offen, betont Longchamp, ein Nein trotzdem aber wahrscheinlich, vor allem weil mit SVP und BDP frühere Befürworter ins Nein-Lager wechselten.
Auns-Initiative unentschieden
Unbestimmt ist die Ausgangslage bei der Initiative «Staatsverträge vors Volk» der rechtsbürgerlichen Organisation Auns: 44 Prozent der Befragten waren Anfang Mai dafür, 44 Prozent dagegen. Offenbar halten sich die Argumente der Gegner und Befürworter die Waage: «Mitbestimmung durchs Volk ist eine populäre Forderung», sagt Claude Longchamp. Auf der anderen Seite stehe der ebenfalls populäre Einwand, dass es bei Annahme der Vorlage «mehr Abstimmungen und auch mehr unnötige Abstimmungen geben werde».
Angesichts der Tatsache, dass Initiativen im Verlaufe eines Abstimmungskampfes immer an Zustimmung einbüssen, sei ein Scheitern der Auns-Initiative aber sehr wohl möglich, sagt Longchamp.
Positive Signale für Bauspar-Initiative
Am besten von allen drei Vorlagen steht derzeit die Bauspar-Initiative da. Wäre Anfang Mai abgestimmt worden, hätte sie zumindest eine relative Mehrheit gefunden; so waren 47 Prozent der Befragten dafür, nur 38 Prozent dagegen. Im März war jedoch eine ähnliche Bauspar-Initiative an der Urne schliesslich gescheitert. (luea, krap)
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