Wütende Chinesen stürmen Regierungsbüro
Die Protestierenden haben ein Polizeiauto umgeworfen. Es liegt vor dem erstürmten Gebäude der Lokalregierung in Qidong. (Reuters)
Im Osten Chinas sind Pläne für die Ableitung von Wasser einer Papierfabrik nach Protesten von Anwohnern wegen Umweltbedenken verworfen worden. Die Regierung in Qidong teilte auf ihrer Website mit, dass das Projekt gestoppt worden sei.
Zusammenstösse mit der Polizei
Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass Tausende Anwohner in der Provinz Jiangsu nördlich von Shanghai gegen die Pläne protestiert hätten und es dabei auch zu Zusammenstössen mit der Polizei gekommen sei.
Demonstranten hatten in der Hafenstadt Qidong ein Regierungsgebäude gestürmt und sich Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Ein Teilnehmer an den Protesten schätzte die Zahl der Demonstranten auf etwa 50'000. Auf dem sozialen Netzwerk Sina Weibo war von bis zu 100'000 Teilnehmern die Rede.
Kisten voller Alkohol und Zigaretten
Laut Augenzeugen stürmten die Bürger das Büro der Lokalregierung und trugen Kisten voller Alkohol und Zigaretten aus dem Gebäude. Mit diesen Produkten werden in China üblicherweise Beamte bestochen.
Die wütenden Demosntranten zerstörten in den Büros auch Computer, schmissen Schreibtische um und warfen angefeuert von der Menge Dokumente aus den Fenstern. Auch fünf Autos und ein Minibus wurden umgestürzt. Mindestens zwei Polizisten wurden von wütenden Demonstranten verprügelt.
Erfolgreicher Bürgerprotest
Die Demonstranten wehren sich nach eigenen Angaben gegen die Einleitung von täglich bis zu 150'000 Tonnen verseuchten Wassers aus einem Papierwerk der japanischen Firma Oji Papier in den Fischerhafen Qidong.
Das Unternehmen seinerseits behauptet, das Wasser sei geklärt und entspreche den örtlichen Umweltschutznormen. Dennoch wurde der Betrieb des Papierwerkes von den Behörden eingestellt und soll, laut einer Mitteilung der Polizei, auch nicht wieder aufgenommen werden.
Proteste gegen Umweltverschmutzungen nehmen zu
In den letzten Jahren gab es in China zunehmend Proteste gegen die Umweltverschmutzung. Diese ist die Folge des rasanten aber oft unregulierten Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahrzehnte. Anfang Juli gaben die Behörden in der Provinz Sichuan den Bau eines Stahlwerks auf, nachdem die Bürger über mehrere Tage hinweg gegen die befürchteten Umweltbelastungen demonstriert hatten. (pet, sda/afp/reuters)
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