Eine «markige, aber herzliche» Persönlichkeit
Bundesrat Otto Stich nimmt an einer Finanzdebatte im Nationalrat teil, im März 1995. (Keystone)
Der Bundesrat hat den verstorbenen alt Bundesrat Otto Stich gewürdigt. Mit seinem Sachverstand habe er auch Kritiker überzeugen können, schreibt er in einer Mitteilung.
Der Bundesrat spricht der Familie sein herzliches Beileid aus. Der ehemalige Bundespräsident werde als markige, aber herzliche Persönlichkeit in Erinnerung bleiben.
Stich habe schon nach kurzer Zeit seiner Amtsführung Freunde und Kritiker für sich einzunehmen vermocht. Überzeugt habe er vor allem mit Hartnäckigkeit und Sachverstand, mit welchem er sich für seine Überzeugungen einsetzte, schreibt die Landesregierung.
«Glaubwürdig und umsichtig»
Tief betroffen vom Tod ihres ehemaligen Bundesrates reagierte die SP. Parteipräsident Christian Levrat bezeichnete ihn als einen der «glaubwürdigsten und volksnahesten Bundesräte der Geschichte».
Stich «war der umsichtigste Finanzminister, den ich erlebt habe», lässt sich Levrat in einem SP-Communiqué weiter zitieren. Zudem würdigte die Partei Stich als aufrechten Sozialdemokraten.
Ein Sparonkel
Otto Stich war «ein helvetischer Sparonkel, dem jeder sein Sparbuch überlassen hätte»: Unter anderem mit diesen Worten würdigt der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann den verstorbenen alt Bundesrat. Er hob die grosse Parteitreue Stichs hervor.
Zwar habe Stich einer anderen Generation angehört als die seinerzeitige Parteileitung durch ihn, Bodenmann. So habe man das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne gehabt, die sozialdemokratischen Grundwerte aber geteilt.
Ogi: «Er musste sparen, ich musste bauen»
Auch Otto Stichs ehemaliger Bundesratskollege Adolf Ogi würdigte den Verstorbenen als eigenständigen, ehrbaren Denker. «Er war beharrlich, aber erfolgreich», sagte Ogi.
Ogi hat Stich auch als sehr guten Finanzminister in Erinnerung. «Er hat die Finanzen im Griff gehabt, und er hat es allen anderen Mitgliedern des Bundesrates nicht immer leicht gemacht.» Stich sei aber auch nahe am Volk gewesen und er sei für die sozial Schwächeren dagewesen.
Stichs Widerstand gegen den Lötschberg-Basistunnel der Neat kommentiert der ehemalige Verkehrsminister nüchtern: «Er musste sparen. Ich musste bauen und hatte einen Auftrag vom Volk, vom Parlament und vom Bundesrat.» Dem ehemaligen Finanzminister hält er zugute, der Neat zu einer guten Finanzierung verholfen zu haben. (luek;basn, sda)
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