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Mittwoch, 22.9.2010

Schweiz wird von Frauenmehrheit regiert

Fast 40 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts sitzen nach der Wahl von Simonetta Sommaruga erstmals mehr Frauen als Männer im Bundesrat.

Die beiden Neuen werden im - nun mehrheitlich weiblichen - Kollegium willkommen geheissen. (Keystone)

Die Schweiz wird erstmals in ihrer Geschichte von einer Frauenmehrheit regiert. Nach der Wahl von Simonetta Sommaruga werden vier der sieben Bundesratssitze von Frauen gehalten. Damit verfügt die Schweiz im internationalen Vergleich über einen der höchsten Frauenanteile.

Finnland in Frauenhand
Spitzenreiter ist Finnland gemäss einer Statistik der Interparlamentarischen Union (IPU) von Anfang 2010. Dort sassen zum Jahresbeginn 12 Frauen in der 19-köpfigen Regierung, was einem Frauenanteil von über 63 Prozent entspricht. Der Frauenanteil in der Schweiz beträgt nun neu 57,1 Prozent.

Frauenmehrheiten kannten Anfang 2010 auch die Kapverden mit 53 Prozent, Spanien ebenfalls mit 53 und Norwegen mit 52,6 Prozent. In zwei Dritteln der von der IPU statistisch erfassten rund 100 Länder lag der Frauenanteil unter 25 Prozent.

Erst 1984 erste Frau
Die Schweiz figuriert in diesen Statistiken zumindest im europäischen Vergleich noch nicht lange in vorderen Rängen. Es hatte bis 1971 gedauert, bis die Frauen auf eidgenössischer Ebene nach mehreren Anläufen das Stimmrecht erhielten.

Erst dreizehn Jahre später wurde am 2. Oktober 1984 die freisinnige Zürcher Nationalrätin Elisabeth Kopp zur ersten Bundesrätin gewählt.

Kopp: Situation kann rasch wieder ändern
Für Elisabeth Kopp ist die Frauenmehrheit eine «grosse Freude» und ein «schöner Erfolg», wie sie erklärte. Sie wisse aber auch, dass sich das schnell wieder ändern kann. «Wenn es an den eidgenössischen Wahlen 2011 wieder zu einer Männermehrheit kommt, dürfen die Frauen sich nicht beklagen», sagte die Zürcher alt Bundesrätin weiter.

Dreifuss: Mentalitätswandel nötig
Auch die frühere SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss zeigte sich über die Wahl einer vierten Frau in die Landesregierung «sehr glücklich». Dieser Erfolg der Frauen sei ein gutes Omen für die eidgenössischen Wahlen 2011. «Viele Schweizer sind nun dazu bereit, fünf Frauen im Bundesrat zu akzeptieren».

Noch warteten aber zahlreiche Herausforderungen auf die Frauen in der Schweiz. Nicht nur der politische Nachwuchs sei wichtig, sondern es brauche auch «einen Mentalitätswandel im Alltag».

Kantone und Gemeinden sind weiblicher
Anders als auf Bundesebene sind auf Kantons- und Gemeindeebene Frauenmehrheiten in der Regierung nichts Neues. In gut einem Dutzend Gemeinden sassen in den letzten Jahren mehr Frauen als Männer in der Regierung.

Auf Kantons- und Gemeindeebene sind Frauen in der Regel stärker in politischen Gremien vertreten als auf Bundesebene. Dies unter anderem deshalb, weil sie hier schon ab 1959 schrittweise das Stimm- und Wahlrecht erhielten, und nicht erst 1971. (luek, sda)

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Porträt: Simonetta Sommaruga

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