Zusammenstösse zwischen Kopten und Polizei
Junge Kopten lieferten sich in Alexandria Auseinandersetzungen mit der Polizei. (Keystone)
Nach dem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Alexandria in der Neujahrsnacht haben Menschen in Alexandria und Kairo für einen besseren Schutz für Christen in Ägypten demonstriert. Auch in Assiut - knapp 400 Kilometer südlich von Kairo seien etwa 2000 Kopten auf die Strasse gegangen, schrieb die Zeitung «The Daily News Egypt» online. Sicherheitskräfte hätten mehrere Verdächtige festgenommen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Dschasira.
Der Selbstmordattentäter hatte in Alexandria 21 Gläubige mit in den Tod gerissen. 97 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Der koptische Klerus sagte aus Trauer über den Anschlag die Feierlichkeiten zum Weihnachtsfest am 7. Januar ab. Die Terrortat wurde weltweit verurteilt.
Seilziehen um Konvertitinnen
Ohne nähere Erläuterung beschuldigte Ägypten «ausländische Elemente» als Drahtzieher. Tatsächlich hatte kürzlich eine Gruppe mit Verbindungen zum islamistischen Terrornetz al-Kaida im Irak den Christen im ganzen Nahen Osten mit Anschlägen gedroht. Die Organisation wirft den Kopten vor, zwei angeblich vom Christentum zum Islam konvertierte Frauen als «Geiseln» festzuhalten.
Die koptische Kirche widersprach in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung dieser Deutung der Tragödie. «Der Anschlag ist das Ergebnis der anhaltenden konfessionellen Stimmungsmache der letzten Monate», hiess es darin. Ägyptische Medien hatten den Fall der beiden angeblichen Konvertitinnen oft reisserisch und tendenziös dargestellt.
Immer wieder Auseinandersetzungen
Etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Wegen des Baus von Kirchen, Konvertierungen und Landdisputen kommt es immer wieder zu Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Wütende Christen bewarfen nach dem Anschlag eine Moschee in der Nähe mit Steinen. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Die St. Markus- und Petri-Kirche ist eines der grössten Gotteshäuser der Kopten in Alexandria.
Mubarak rief zur Geschlossenheit gegen Terrorismus auf
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak rief alle Ägypter, ob Christen oder Muslime, zu Geschlossenheit bei der Bekämpfung des Terrorismus auf. Seine Behörden würden dafür sorgen, dass die Täter aufgespürt würden und «dem Terrorismus der Arm abgehackt» werde, erklärte Mubarak in einer Fernsehansprache. Auch das amtliche Islam-Institut Al-Azhar und die oppositionelle islamische Moslembruderschaft verurteilten den Anschlag. (bru, sda/dpa)
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