Mord an Falcone veränderte Italien
Giovanni Falcone. (zvg)
Am Abend des 23. Mai 1992 erschüttert eine Bombe Capaci, ein Vorort von Palermo – und verändert in der Folge ganz Italien. 500 Kilo Sprengstoff sprengen das Auto des Mafia-Jägers Giovanni Falcone in die Luft. Er war mit seiner Frau Francesca Morvillo und drei Leibwächtern auf dem Weg zu seinem Ferienhaus. Alle sind auf der Stelle tot.
Vom Jäger zum Gejagten
Als Untersuchungsrichter leitete Falcone ab 1986 einen mehrmonatigen Prozess gegen rund 400 Mitglieder der Mafia. Zahlreiche von ihnen wurden auf Grund der von ihm vorbereiteten Verfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Für das Verfahren wurde eigens ein Bunker aus Stahlbeton errichtet.
Von den Drohungen der Mafia liess sich der Falcone nicht beirren, er kämpfte weiter gegen die organisierte Kriminalität. Falcone war hochgradig gefährdet und stand deshalb ständig unter Polizeischutz.
Mafia hatte Helfer
Die Bombe war in einem Abwasserkanal unter der Autobahn versteckt und wurde gezündet, als die beiden Autos von Falcone und seinen Begleiter darüber fuhren. Falcones Wagen flog durch die Wucht der Detonation mehrere hundert Meter durch die Luft, die Körper wurden völlig zerfetzt.
Spekuliert wird, dass die Reiseroute verraten wurde. Offenbar war der Richter den Nahtstellen zwischen Mafia, Wirtschaft und Politik zu nahe gekommen.
Wenige Wochen nach dem Mord an Falcone sprengte die Cosa Nostra am 19. Juli 1992 in Palermo auch seinen Kollegen Paolo Borsellino in die Luft. Borsellino wusste, dass auch er ganz oben auf der Mordliste stand: «Ich werde die Früchte meiner Arbeit nicht mehr ernten».
Mafia begleicht Schuld mit Tod
Falcone und Borsellino stammten aus einem einfachen Viertel in Palermo. Wahrscheinlich war es auch ihre Herkunft, die sie als Mafia-Jäger so erfolgreich machte: Sie wussten, wie die «Krake» funktionierte.
Falcone gelang es, Mafiosi zum Reden zu bringen und damit das oberste Gesetz der «ehrenwerten Gesellschaft» zu brechen. «Vergessen Sie nicht, dass Ihre Rechnung mit der Cosa Nostra nie beglichen werden kann», warnte ein Kronzeuge. Falcone verstand: «Ich weiss, dass meine Schuld nur mit dem Tod abgegolten werden kann.»
Morde werden zum Bumerang
Die Terror-Botschaft der Cosa Nostra verfehlte ihr Ziel: Sie löste nicht Angst und Schrecken, sondern Empörung aus. Eine zuvor nie dagewesene Protestwelle erfasste Italien. Frauen hängten weisse Bettlaken aus den Fenstern, mit Parolen wie «Schluss mit der Mafia».
Schliesslich reagiert auch der Staat und sagte der Mafia den Kampf an. Soldaten wurden auf Sizilien stationiert. Dutzende Mafiosi gingen ins Netz, reihenweise endeten Prozesse mit lebenslangen Haftstrafen. Selbst der «Boss der Bosse», Salvatore «Toto» Riina, landete hinter Gittern. Er soll die Morde an Falcone und Borsellino befohlen haben. Der Mörder Falcones, Giovanni Brusca, der hunderte Menschen getötet und einige Opfer in Salzsäure aufgelöst haben soll, wurde 1996 gefasst. Er wurde später Kronzeuge.
Mafia arbeitet heute diskreter
Nach der Verhaftung des Paten Riina im Januar 1993 gab es eine Serie von Anschlägen. Doch dann änderte die Mafia ihre Strategie: Weg vom brutalen Mord, von Schiessereien auf offener Strasse und von Anschlägen auf Kirchen oder Museen.
Heute geht sie leiser vor, ist schwerer zu fassen. Baugeschäft, Müll, Subventionsbetrug, Falschgeld, Drogenhandel - in vielen Bereichen mischt sie mit. Wer sich ernsthaft mit ihr anlegt, riskiert auch 20 Jahre nach dem Mord an Gionvanni Falcone weiterhin sein Leben. (daua, dpa)
