Getrübte Badefreuden an einigen Küsten Italiens
Badeferien an der ligurischen Küste: Das Wasser sei zum Teil stark verschmutzt, sagt eine Umweltorganisation. Die Region widerspricht. (Keystone)
Von Italien-Korrespondent Rolf Pellegrini
«Das Meer wirds schon richten», sagte mir vor ein paar Jahren ein Fischer in Süditalien, unerschütterlich in seiner Ignoranz und seinem Glauben an die wundersame Auflösungs- und Regenerationskraft des Meeres, und starrte auf die schaumige oelige Brühe die an den Quai schlug.
Aber nun wird klar: Das Meer richtet es nicht mehr. Die Sünden der Zerstörungs-Zivilisation sind nicht nur sicht- sondern auch messbar. Legambiente hat zwei Monate lang an Italiens Küsten Wasserproben entnommen.
Hoher Verschmutzungsgrad
Von 205 Proben wiesen 120 einen Verschmutzungsgrad auf, der über den gesetzlichen Limiten lag. Das Wasser war durch Oel, Abwässer, Chemikalien verschmutzt. 100 Proben waren gar so stark verschmutzt, dass beispielsweise die Konzentration von Fäkalbakterien mindestens doppelt so hoch war wie die Toleranzmenge. Baden ist an diesen verschmutzten Meerufern ein hochriskantes Unternehmen.
Kalabrien und Kampanien sind in der Negativbilanz an der Spitze. Ligurien - und das ist eine Überraschung - hat sich zu ihnen geschlagen. Allerdings protestierte die Region um Genua unmittelbar nach Bekanntgabe der Dokumentation von Legambiente, die Daten spiegelten nicht die Wirklichkeit. An 97 Prozent der ligurischen Strände könne leichten Herzens gebadet werden, denn sie seien völlig unbedenklich.
Ganz oben als Königinnen sauberen Küstenwassers stehen nicht zum erstenmal Sardinien und die Toscana, und auch in der Emilia Romagna ist alles zum Besten bestellt.
Am höchsten ist der Verschmutzungsgrad dort, wo das Wasser in das Meer mündet. In Flüssen, Bächen, Kanälen lassen sich die Umweltsünden der Regionen messen. Und die lauten: fehlende Kanalisationen und fehlende Wasserreinigungsanlagen. Und das 36 Jahre, nachdem das erste Gesetz zur Wiederaufbereitung erlassen wurde.
24 Millionen Menschen ohne Kläranlage
Am schlimmsten ist die Lage auf Sizilien und in Latium, der Gegend von Rom, aber auch in der grössten Region Italiens, der Lombardei, bleibt vieles zu tun. 24 Millionen Italiener sind nicht an Kanalisationen oder Wasseraufbereitungsanlagen angeschlossen, bei einer Gesamtbevölkerung von 61
Es besteht dringender Handlungsbedarf: Der europäische Gerichtshof hat Ende Juli bemängelt, 109 grössere und kleinere Agglomerationen in 8 italienischen Regionen erfüllten die Auflagen der europäischen Gesetzgebung nicht. Italien drohen Millionen-Strafen, wenn nicht rasch etwas getan wird. (lin)
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