Hochwasser: Russische Behörden geben Fehler zu
Grosse Zerstörung nach der grossen Flut: Wladimir Putin fordert lückenlose Aufklärung. (Keystone)
Nach der Flutkatastrophe in Russland mit mehr als 170 Toten haben die Behörden Fehler eingeräumt. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Alexander Tkaschew, enthob den Bürgermeister der Stadt Krimsk und den Chef des gleichnamigen Bezirks, Wassili Krutko, ihrer Ämter.
Beide hätten schon mindestens drei Stunden vor der Katastrophe die Flutwarnungen erhalten, erklärte der Gouverneur. Die Bevölkerung sei dennoch nicht rechtzeitig gewarnt worden.
Erklärungsnot
Doch auch auf nationaler Ebene sind die verantwortlichen Politiker in Erklärungsnot. «Seitens der Leiter vor Ort sowie verschiedener Ämter sind Fehler gemacht worden», sagte Zivilschutzminister Wladimir Putschkow. Viele Menschen seien vor der nahenden Gefahr nicht in vollem Umfang und wie vorgeschrieben von den lokalen Behörden gewarnt worden.
Sein Ministerium hätte jedoch per SMS auf die bedrohliche Lage hingewiesen, sagte Putschkow. Viele Anwohner widersprachen dem jedoch und sagten, die Nachricht nicht bekommen zu haben.
Folge der Regenfälle
Der Minister betonte, aus Stauseen sei kein Wasser abgelassen worden. Er habe sich an den Anlagen selbst davon überzeugt. Das Hochwasser sei ausschliesslich Folge extremer Regenfälle gewesen. Die Wassermassen hätten die Flüsse zu reissenden Strömen verwandelt und alles vernichtet.
Aufgrund der vielen Fragezeichen zu den Geschehnissen in der Nacht verlangte der russische Präsident Wladimir Putin erneut eine lückenlose Aufklärung. Es müsse alles objektiv aufgearbeitet werden, damit sich ein solches Unglück nicht wiederhole. Die Staatsanwaltschaft ermittelt angesichts der vielen Opfer wegen fahrlässiger Tötung.
Flaggen auf halbmast
Mit einem Tag der Staatstrauer gedachte Russland am Montag der zahlreichen Toten. Am Kreml und an weiteren Regierungs- und Behördengebäuden hingen die Flaggen auf halbmast, im Fernsehen wurden Unterhaltungsprogramme und Werbung ausgesetzt.
Teile der besonders stark betroffenen 60'000-Einwohner-Stadt Krimsk lagen weiter unter Wasser. Erste Opfer der Überschwemmungskatastrophe wurden beigesetzt. Einige Leichen waren in Kühlwagen aufgebahrt, damit sie von Angehörigen identifiziert werden konnten.
Augenzeugen berichteten in russischen Medien, dass die Zahl der Toten möglicherweise deutlich höher liege als bisher kommuniziert. Die Lage war unübersichtlich, weil viele Menschen in der Region Feriengäste bei sich aufnahmen, ohne diese zu melden. In Internetblogs beschwerten sich Bürger, dass die Behörden das Ausmass der Katastrophe verheimlichten.
Warten auf Hilfe
In dem Hochwassergebiet warteten Tausende Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, weiter auf Hilfe. Vielen fehlte es am Nötigsten wie Nahrungsmitteln und Kleidung. Die Flut hatte in der Region 1200 Kilometer südlich von Moskau mehr als 5000 Häuser überschwemmt.
Fast 3000 Rettungskräfte sind laut Behördenangaben in der Region im Einsatz. Die Behörden warnten vor möglichen neuen starken Regenfällen. Zudem waren Brücken, Strassen und Gebäude einsturzgefährdet. (fors, sda/dpa)
Mehr zum Stichwort:
