Umstrittene Schweizer Bildungspolitik
Nicht zuletzt als Folge der früheren Pisa-Studien wurde in der Schweiz die Harmonisierung des kantonal geregelten Schulsystems an die Hand genommen. Die Kantone vereinbarten mit dem Harmos-Konkordat gemeinsame Eckwerte, welche die obligatorische Schulzeit betreffen. Das Konkordat ist eine direkte Folge des Bildungsartikels, der von Volk und Ständen im Jahr 2006 deutlich angenommen wurde.
Von einer Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen an den Schulen verspricht man sich etwa eine effizientere Schulbildung und eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse.
Kindergarten ab vier Jahren
Harmos sieht unter anderem vor, dass der zwei Jahre dauernde Kindergarten im Alter von vier Jahren beginnen soll. Die obligatorische Schulzeit beträgt damit inklusive Kindergarten elf Jahre.
Weiter werden die Schulziele schweizweit vereinheitlicht, es gibt aber sprachregionale Lehrpläne. In der obligatorischen Schulzeit sollen zwei Fremdsprachen erlernt werden, wobei eine bereits ab der fünften Klasse vermittelt werden soll. Zudem sollen (kostenpflichtige) Tagesstrukturen angeboten werden, welche Eltern, die dies wünschen, entlasten.
Harmos ist in Kraft
Dem Harmos-Konkordat sind inzwischen (Stand Dezember 2010) 15 Kantone beigetreten, der Vertrag zwischen den beteiligten Kantonen hat im August 2009 Gültigkeit erlangt. Die Kantone haben ab dieser Frist sechs Jahre Zeit, die Bestimmungen von Harmos umzusetzen. Damit das Konkordat für alle 26 Kantone verbindlich wird, müssen ihm mindestens deren 18 zustimmen.
Lehrplan 21
Während Harmos also die Eckwerte der obligatorischen Schulzeit wie Einschulung, Dauer oder Fremdsprachen regelt, sollen auch die Ziele, welche in der Schule erreicht werden sollen, vereinheitlicht werden. Dazu wird der sogenannte Lehrplan 21 erarbeitet, er soll 2014 vorliegen. Der Lehrplan 21 gibt die Lernziele der 21 deutschsprachigen Kantone vor.
Er soll dereinst bestimmen, was die Kinder und Teenager am Ende der 2., 6. und 9. Klasse wissen und können sollen. Im Lehrplan 21 wird aber nicht alles geregelt. Die Kantone und Schulen haben nach wie vor viel Gestaltungsspielraum, beispielsweise darin, wie die festgelegten Ziele erreicht werden sollen.
Opposition von rechts
Gegen Harmos und den Lehrplan 21 wehrt sich die Schweizerische Volkspartei mit Vehemenz. Bereits hat die SVP in mehreren Kantonen Referenden gegen den Beitritt zu Harmos angestrebt und auch etliche der Volksabstimmungen in ihrem Sinn entschieden. Das ursprüngliche Ziel, Harmos ganz zu verhindern, kann die SVP zwar nicht mehr erreichen. Schafft sie es aber, dass nicht mindestens 18 Kantone dem Konkordat beitreten, bliebe die Schulharmonisierung ein Flickwerk, über das noch einmal verhandelt werden müsste.
SVP gegen Harmos
Harmos entziehe den Eltern ihren Erziehungsauftrag, findet die SVP. Dieser werde mit der Einschulung der Kinder ab vier Jahren und der Förderung von Tagesschulen quasi verstaatlicht. Insbesondere stört sich die Partei an der Einschulung der Kindergärtler mit vier Jahren.
«Gegen-Lehrplan» der SVP
Die SVP Schweiz wehrt sich auch gegen den Lehrplan 21 und hat einen eigenen Lehrplan vorgestellt. Die Partei befürchtet insbesondere, dass den Kantonen zu viel vorgeschrieben werden könnte.
Das Gegenprojekt der SVP enthält verschiedene Forderungen: So soll der Fremdsprachenunterricht erst in der Oberstufe beginnen. Aufwerten möchte die Partei hingegen die Fächer Mathematik und Realien. Das heutige Fach «Mensch und Umwelt» lehnt die SVP ab. (pet, sda)
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