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Freitag, 3.8.2012

«Es steht nicht so schlecht um die Berufslehre»

Besonders in handwerklichen Berufen sind im Kanton Bern noch viele Lehrstellen ab Sommer 2012 offen. Lehrmeister sagen, viele Jugendliche wollten oder könnten nicht mehr körperlich arbeiten. Beim Kanton sieht man die Sache gelassen.

«Ich habe manchmal Schnupperlehrlinge, welche nicht einmal wissen, wie man einen Besen in die Hand nimmt», sagt Trudi Kauer vom Reitzentrum Kauer in Biel. Wie bei vielen Betrieben ist auch bei ihr noch eine Lehrstelle ab Sommer 2012 frei, als Pferdefachfrau / -fachmann.

Früher sei es viel einfacher gewesen, eine Lehrstelle zu besetzen, sagt Trudi Kauer. Es gebe zwar auch heute noch interessierte Jugendliche, aber beim Schnuppern zeige sich oft schnell: Sie sind nicht bereit für körperliche Arbeiten. Sie wollten oder könnten es nicht.

Auch andere Betriebe machen laut Trudi Kauer die gleiche Erfahrung. Handwerkliches Arbeiten sei je länger, desto weniger gefragt. Die Jugendlichen wollten nur noch am Computer oder im Büro arbeiten, sagt sie. «Die Handwerker sterben wohl langsam aus.»

Es fehlt an Einigem
Bernhard Bögli vom Verband der Berner KMU ortet das Problem mehr bei mangelhaften schulischen Kenntnissen der Jugendlichen - lesen, schreiben, rechnen - und bei der Disziplin. «Pünktlichkeit, Exaktheit, Qualität, daran mangelt es heute mehr als früher», sagt Bögli. «Früher konnte in den Betrieben diesbezüglich mehr vorausgesetzt werden».

Gelassenheit beim Kanton Bern
Von mangelhaften körperlichen Fähigkeiten der Jugendlichen hat man beim Bernischen Amt für Mittelschulen und Berufsbildung noch nichts gehört. Der stellvertretende Amtsleiter Mario Battaglia kann aber einen leichten Trend bestätigen, wonach sich das Interesse von handwerklichen Berufen weg und hin zu Dienstleistungsberufen verschiebt.

Zum Vorwurf, manche Jugendliche hätten Defizite beim exakten Arbeiten, sagt Battaglia: «Solche Rückmeldungen erhalten wir ab und zu.» Er sieht das aber in einem «gesamtgesellschaftlichen Trend, dass grundsätzlich die Exaktheit im Wertmassstab an Bedeutung verloren hat.»

Insgesamt sieht Mario Battaglia die Berufslehre im Kanton Bern in einem guten Zustand. Noch nie seien so viele Lehrverträge abgeschlossen worden, wie diesen Sommer. Und das, obwohl weniger Jugendliche aus der Schule gekommen seien. (haee)

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Audio-Beiträge:


Interview mit Mario Battaglia vom Kanton Bern
Hören (3:45)

Wie eine Lehrmeisterin und der Verband Berner KMU die Situation sehen
Hören (2:14)

Weiterführender Link zum Beitrag:

  • Zu den offenen Lehrstellen im Kanton Bern

Verantwortlich für diesen Beitrag:

Elisa Häni


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