Bergsturz im Tessin
Im Tessin ist es zum erwarteten Felssturz gekommen. (Keystone)
Der Berg oberhalb von Preonzo bei Bellinzona ist nach dem Felssturz am frühen Morgen immer noch in Bewegung. Regelmässig sind kleinere Gerölllawinen und Staubwolken zu beobachten.
Ein weiterer grosser Abbruch werde aber aktuell nicht erwartet, sagte der Gemeindepräsident von Preonzo, Fabio Pasinetti. Für genaue Vorhersagen sei es jedoch noch zu früh. Die Geologen, mit denen er im regelmässigen Kontakt stehe, würden in den kommenden Stunden erst einmal die Situation im Gebiet des so genannten Valegion überprüfen.
Kantonsstrasse gesperrt
Alle Vorsichtsmassnahmen bleiben aktiv: Die Industriezone unterhalb des Hangs ist weiterhin nicht zugänglich, die Kantonsstrasse gesperrt. Der Schulunterricht wird vorübergehend noch in den Nachbarorten durchgeführt.
Der Gemeindepräsident hofft, dass bis zum nächsten Montag wieder Alltag in Preonzo einkehrt. Von Aufregung in der Bevölkerung sei in der Nacht trotz polternder Felsen allerdings nichts zu spüren gewesen. «Alle habe geschlafen. Die Menschen sind gewohnt, mit dem unruhigen Berg zu leben.»
Keine Schäden
Mit Erleichterung haben die sechs evakuierten Industriebetriebe erfahren, dass bisher keine Schäden an den Gebäuden gemeldet wurden. Eine Polizeipatrouille habe das Gefahrengebiet bereits kontrolliert.
Ob auch Kanton- und Gemeindevertreter im Verlauf des Tages einen Rundgang am Fuss des Valegion machen können, hängt gemäss Pasinetti von den Erdbewegungen am Gipfel ab. Die Gefahr scheine noch nicht ganz gebannt, sagt der Gemeindepräsident mit Blick auf die regelmässigen, staubenden Geröllabgänge.
Felssturz schon vor rund 400 Jahren dokumentiert
Preonzo lebt seit 2002 mit der akuten Bergsturzgefahr. Damals donnerten rund 100'000 Kubikmeter Gestein ins Tal. Die Betriebe waren rechtzeitig evakuiert worden. Schäden gab es keine.
Seit den 1990er Jahren überprüfen Sensoren die Felsbewegungen oberhalb Preonzos. Die Zone ist bereits seit rund 400 Jahren als Risikogebiet bekannt. Die ersten Felsstürze seien im 17. Jahrhundert dokumentiert worden, erläutert Fabio Pasinetti.
Dennoch siedelten sich in den 1960er Jahren die ersten Industriebetriebe an. Ein Risiko schien damals gering. Sechs Firmen sind heute noch aktiv und beschäftigen rund 70 Personen.
Pläne, die Unternehmen umzusiedeln, scheiterten in der Vergangenheit an verschiedenen Faktoren. Der Gemeindepräsident hofft, dass ab Montag alle wieder ihre Arbeit aufnehmen können. Ein Wegzug der Betriebe - womit Pasinetti langfristig rechnet - bedeute für die Gemeinde eine finanzielle Einbusse. (fors;bat, sda)
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