Spitäler fordern Verbesserungen bei Fallpauschalen
Der Spitalverband H+ wirft einigen Kantonen vor, die freie Spitalwahl zu behindern. (Reuters Archiv)
Für die Rehabilitation gelten die Fallpauschalen nicht. Nun erarbeitet der Spitalverband H+ auch für die Reha Tarifstrukturen. Sie sollen 2015 vorliegen.
Ziel der sogenannten ST Reha (Schweizerisches Tarifsystem Rehabilitation) ist es, transparente und vergleichbare Entschädigungen zu schaffen. Patienten sollen aufwand- und leistungsbezogen erfasst werden.
Diagnosebasierte Systeme seien für die Rehabilitation ungeeignet, sagte der administrative Direktor der Reha Rheinfelden, Matthias Mühlheim: «Der Reha-Aufenthalt eines Schlaganfallpatienten kann zwischen drei Wochen und sechs Monaten liegen.»
Heute werden aufgrund der neuen Spitalfinanzierung ambulante Behandlungen zu 100 Prozent von den Krankenkassen bezahlt, stationäre Aufenthalte nur zu 45 Prozent. Die restlichen 55 Prozent zahlen die Kantone. (sda)
Die Anfang 2012 eingeführten Fallpauschalen sind für den Spitalverband H+ «ein Erfolg». Die technische Einführung sei praktisch reibungslos verlaufen, sagte Verbands-Präsident Charles Favre vor den Medien in Bern.
Die Liste mit Problemen, die H+ im neuen System Swiss DRG ortet, ist gleichwohl lang.
Kritik an Krankenkassen
Kritik übte Präsident Favre vor allem an den Preisverhandlungen. Während mit den Krankenkassen Helsana, Sanitas und KPT zahlreiche Verträge bestünden, gebe es noch kaum welche mit Kassen, die der Santésuisse-Tochter Tarifsuisse angeschlossen seien. Deshalb müsse vielerorts mit provisorischen Tarifen abgerechnet werden.
Kritisiert wird auch die Art und Weise, wie Krankenkassen Spitalrechnungen überprüften. Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals Basel und Vizepräsident bei H+, findet es störend, dass Kassen viele unauffällige Rechnungen nachprüfen. Die Versicherer hätten zwar die Aufgabe zu prüfen, Kübler hält aber die Art und Weise für problematisch: Sie stellten immer wieder dieselben Fragen ohne klaren Fokus. Es fehle an Wissen.
Kantone erschweren freie Spitalwahl
Unzufrieden sind die Spitäler auch mit einzelnen Kantonen. Favre sprach von einem «kantonalen Protektionismus» bei ausserkantonalen Behandlungen. Weil nicht alle Kantone gleich viel bezahlen, wenn sich ihre Patienten in einem anderen Kanton behandeln lassen, funktioniere die freie Spitalwahl teilweise schlecht.
Der Zustand gleicht laut Favre einem «Wildwuchs bei den kantonalen Referenztarifen» und sei «inakzeptabel». Man habe sich deswegen bereits an Gesundheitsminister Alain Berset gewandt.
Abgeltungssystem zu grob
Ein weiteres Problem sieht Kübler im Abgeltungssystem. Dieses sei viel zu wenig differenziert. Als gutes Beispiel dient ihm Deutschland, wo viel deutlicher zwischen Universitätsspitälern mit komplexen, teuren Fällen und Zentrumsspitälern unterschieden werde.
Für seltene Spezialfälle will H+ zudem die Daten aus Deutschland übernehmen dürfen. H+-Direktor Bernhard Wegmüller hält die Schweiz für zu klein, um ein eigenes System pflegen zu können.
System schafft falsche Anreize
Laut dem Spitalverband führten die Fallpauschalen nicht zu vorzeitigen Entlassungen aus Akutspitälern. Im Gegenteil, oft würde die Rehabilitierung später als medizinisch angebracht beginnen. Matthias Mühlheim kritisiert in seiner Funktion als administrativer Direktor der Reha Rheinfelden AG, das System DRG schaffe falsche Anreize.
Aus Kostengründen würden Patientinnen und Patienten später in die Reha entlassen, weil die Kassen den über die Fallpauschale finanzierten Aufenthalt im Spital möglichst ausnützen wollen. Würden die Patienten früher in die Reha überwiesen, käme dies teurer - obwohl es laut Mühlheim Sinn machen würde.
Zudem würden in den Akutspitälern zum Teil die Nebendiagnosen «etwas vernachlässigt», weil sie sich auf die Hauptdiagnose fokussierten. (bat, sda)
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