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Droht schon bald eine Stromlücke?

Die Diskussion um eine Energie-Versorgungslücke dreht sich derzeit vor allem um die Elektrizitäts-Frage: Gemäss dem Bundesamt für Energie und den Energieversorgern kann die Schweiz ab etwa 2015 nach und nach nicht mehr genügend Strom für die Selbstversorgung herstellen.

Die Gründe für die befürchtete so genannte Stromlücke sind vielfältig: Einerseits erreichen die fünf Schweizer Atomreaktoren – sie liefern derzeit rund 40 Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms – ab 2025 das Ende ihrer Lebensdauer. Da sie nicht ersetzt werden sollen, fällt spätestens ab 2034 der in der Schweiz produzierte Atomstrom weg.

Weniger Strom aus dem Ausland
Zur gleichen Zeit laufen wichtige Strom-Lieferverträge mit den französischen Atomkraftwerken aus. Angesichts des sich in ganz Europa verknappenden Angebots an Elektrizität ist äusserst ungewiss, ob die Stromimporte aus dem Ausland weiterhin möglich sein werden. Kommt hinzu, dass die Abhängigkeit von Stromimporten aus dem Ausland der vom Bundesrat angestrebten Versorgungssicherheit des Landes nicht unbedingt entspricht.

Stromverbrauch steigt weiter
Als weiterer Grund für die drohende Stromlücke werden die Massnahmen zu einer verbesserten Energie-Effizienz genannt. Das tönt zunächst widersprüchlich, ist es aber nicht unbedingt: Zwar braucht ein Haus, das statt mit Erdöl mit Hilfe einer Wärmepumpe geheizt wird, grundsätzlich weniger Energie zum Heizen. Denn die Wärmepumpe braucht für die gleiche Wärmeleistung nur rund einen Drittel der Energie einer Öl-Heizung. Allerdings wird als Energieform dazu Elektrizität statt Heizöl benötigt.

Angesichts steigender Preise für fossile Energieträger und der Bestrebungen, den CO2-Ausstoss zu verringern, wird die Umstellung auf Elektrizität als Energieträger in vielen Bereichen weiter zunehmen. Als Quintessenz werden zwar weniger fossile Energieträger verbraucht und damit der CO2-Ausstoss verringert, gleichzeitig nimmt aber der Stromverbrauch zu.

Neue Stromquellen sind nötig
Angesichts dieser Ausgangslage stellt sich die Frage, wie die Produktions- und Lieferausfälle beim Strom ab 2015 kompensiert werden können. Denn auch wenn dank Effizienzsteigerungen bei Geräten und Maschinen die zusätzliche Nachfrage etwas verkleinert werden kann, sind neue Stromquellen nötig.

Vor allem die Stromproduzenten wie Axpo oder BKW drängten deshalb bis zum Atomausstiegs-Entscheid der Politik im Nachgang zum Super-Gau von Fukushima auf den Bau neuer Atomkraftwerke. Ihr Argument: Damit könnten praktisch auf einen Schlag die drohenden Versorgungsprobleme gelöst werden. Mit dem Ausstiegsentscheid müssen nun aber andere Stromquellen gefunden werden.

Gas-Kombikraftwerke: «CO2-Schleudern»
Eine relativ kurzfristig realisierbare Möglichkeit zur Deckung des steigenden Strombedarfs sind so genannte Gas-Kombikraftwerke. In solchen wird durch die Verbrennung von Erdgas einerseits Elektrizität, anderseits aber auch Wärme (zur Weiterverwendung in der Industrie oder zum Heizen) produziert. Nachteil: Der massive Ausstoss an klimaschädlichem CO2 durch das Verbrennen von Erdgas.

Würde die Stromlücke mit vier bis sieben solcher Gas-Kombikraftwerke geschlossen, würde der Mehrausstoss an CO2 alle übrigen angestrebten CO2-Einsparungen – etwa beim motorisierten Verkehr oder beim Heizen – zunichte machen. Solche Kraftwerke müssten ihren CO2-Ausstoss deshalb denn auch kompensieren. National- und Ständerat haben im Sommer 2010 entschieden, dass diese Kompensation zu mindestens 70 Prozent in der Schweiz erfolgen muss.

Alternative Energieformen ausbauen
Weitere Möglichkeiten sind der Ausbau der Wasserkraft und die Förderung von alternativen Energieformen. Allerdings stösst die Wasserkraft in der Schweiz allmählich an ihre Grenzen – unter anderem wegen den geforderten Restwassermengen und anderen Naturschutz-Anliegen. Offen ist zudem, wie schnell nachhaltig produzierte Energien wie Sonnen-, Wind- oder Biogas-Energie in so grossem Umfang ausgebaut werden können, um den Bedarf zu decken.

Hinzu kommt, dass Wind- und Solarstrom nicht in konstanten Mengen produziert werden kann - wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, gibts keinen Strom. Deshalb muss ein Weg gefunden werden, die Elektrizität zu speichern, etwa mit Pumpspeicher-Stauseen in den Alpen. In solche wird bei einem Strom-Überangebot Wasser in den Stausee hinaufgepumpt, bei Strommangel wird mit dem zu Tal gelassenen Wassser dann Strom produziert.

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Links:
  • BFE-Studie: Energieperspektiven 2035 (4 Szenarien, wie es mit Energieverbrauch- und Gewinnung weitergehen könnte) (1457.4KB, PDF)

  • aee.ch: Übersicht über den Ökostrom in der Schweiz
  • bfe.adnin.ch: Mehr zur Energie-Forschung in der Schweiz
  • energiewelten.de: Die Stromgewinnung verständlich erklärt

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Kontext vom Freitag, 30.3.2012, 09.06 Uhr, DRS 2

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Beitrag aus Rendez-vous vom Mittwoch, 6.4.2011, 12.30 Uhr, DRS 1, DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle

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