Ausschreitungen von Salafisten in Tunesien
Radikale Islamisten in Tunesien fordern - wie hier am 17. Februar in Tunis - immer lauter die Einführung eines islamischen Staates. (Reuters)
In Tunesien haben sich radikale Islamisten Strassenschlachten mit der Polizei geliefert. Die rund 200 mit Schwertern, Stöcken und Brandbomben ausgerüsteten Demonstranten hätten nach der Verhaftung eines Salafisten in der Stadt Jandouba ein Polizeigebäude in Brand gesetzt, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters.
Wer Alkohol trinkt, wird bedroht
Die Polizei trieb die Menge mit Tränengas auseinander. Über die Lautsprecher der Moscheen in der Stadt, die rund 160 Kilometer westlich der Hauptstadt Tunis liegt, sei zum Heiligen Krieg aufgerufen worden, sagte ein Bewohner.
Bereits seit einiger Zeit hätten Salafisten ihre Vorstellungen von einem angemessenem Lebensstil durchsetzen wollen und Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet, sagte eine Anwohnerin gegenüber Reuters. Ein anderer Bewohner berichtete, wer Alkohol getrunken habe, sei bedroht worden.
Frauen in Hosen angegriffen
Die Radikalen hätten zudem Frauen in Röcken oder Hosen geschlagen. Die Salafisten, die nur eine Minderheit in der Bevölkerung stellen, profitieren von den Freiheiten, die ihnen die neue Regierung gewährt. Unter dem durch eine Revolte vor einem Jahr vertriebenen autokratischen Staatschef Zine al-Abidine Ben Ali waren sie verboten.
Radikale verbreiten ihre Vorstellungen
Die Unruhen schüren Sorgen vor einem immer stärkeren Einfluss radikaler Gläubiger in dem nordafrikanischen Land und bringen die gemässigte Islamisten-Regierung in eine heikle Situation.
Die Ennahda-Bewegung führt nach dem Volksaufstand vor rund einem Jahr die Regierung an und distanziert sich von den Ansichten der Radikalen. Allerdings riskiert die Bewegung, die Unterstützung von Konservativen zu verlieren, wenn sie sich allzu entschlossen gegen die Hardliner wendet. (pet, reuters)
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