Postkarte aus Berlin: Alles ist relativ
Liebe Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, «Alles ist relativ» - das hat mein kleiner Bruder schon mit vier Jahren verkündet. Da hängt irgendwo in Berlin ein Mammut in den Bäumen zwischen den Wohnhäusern. Berlin ist eben so. Relativ verrückt.
Und à propos relativ: im Verhältnis zum Mammut ist ein Mensch relativ klein. Im Verhältnis zu einer Ameise relativ gross. Dass auch die Zeit relativ ist, hat schon Einstein nachgewiesen - und an einem Filmfestival kann das empirisch erlebt werden.
Ich komme gerade aus einem Kostümdrama aus Dänemark. Vorstellungsbeginn 22:30. 130 Minuten laut Programm - gefühlt: mindestens vier Stunden!
Es geht auch umgekehrt: unglaublich lange Filme, die man mit grossem Spass und grosser Aufmerksamkeit verfolgt und ganz erstaunt ist, wenn sie fertig sind. So wie gestern das über dreistündige chinesische Epos - das kam mir nur vor, wie zwei Stunden und fünfzig Minuten.
Wenn ich also heute Abend gefühlte vier Stunden (immerhin gemeinsam mit Mads Mikkelsen) im Kino verbracht habe, dann müsste es jetzt doch schon 3 Uhr morgens sein. Und das wäre relativ spät.
Mit schlaftrunkenen, relativ lieben Grüssen Eure Brigitte Häring.
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