Sudans Präsident droht Südsudan mit Krieg
Präsident Bashir vor Anhängern in der Provinz Nordkordofan. (Keystone)
«Wir werden ihnen eine letzte Lektion erteilen, und zwar mit Gewalt», sagte der sudanesische Präsident Omar Bashir am Donnerstag an einer Grosskundgebung in der Provinz Nordkordofan. «Wer auch immer seine Hand nach Sudan ausstreckt - wir werden sie abschneiden.» Bashir drohte mit einer Invasion in die südsudanesische Hauptstadt Juba. Zudem bezeichnete er die Südsudanesen wiederholt als «Insekten», die es zu vernichten gelte.
«Solche Worte sind hoch explosiv», sagte Patrik Wülser, Afrikakorrespondent von Schweizer Radio DRS. «Die Leute hier in Ostafrika fürchten sich vor einem neuen Krieg.»
Ban verurteilt Südsudan
Südsudan hatte letzte Woche das von ihm beanspruchte Ölfeld Heglig an der Grenze zwischen beiden Ländern besetzt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte dies als «Verletzung der Souveränität Sudans» und verlangte den Abzug der südsudanesischen Truppen. Gleichzeitig verlangte er, dass Sudan südsudanesisches Territorium nicht mehr bombardiert und seine Truppen aus umstrittenen Gebieten abzieht.
Bashir: «Heglig ist nur der Anfang»
Ein Sprecher des sudanesischen Militärs sagte am Donnerstag, die Armee kämpfe jetzt «in Heglig». Der Süden sagte, seine Armee habe am Mittwochabend einen Grossangriff des Nordens auf Heglig zurückgeschlagen.
Der sudanesische Präsident Bashir kündigte an, er werde Heglig zurückerobern. Damit allein werde der Konflikt aber nicht gelöst sein. «Heglig ist nicht das Ende sondern der Anfang», sagt Bashir. Der sudanesische Präsident ist auch wegen einem anderen Konflikt im Gespräch. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sucht ihn unter anderem wegen Völkermordes in der westsudanesichen Region Darfur.
Südsudan warnt vor Völkermord
Südsudans Informationsminister Barnaba Marial Benjamin reagierte erzürnt: «Herr Präsident, wir sind keine Insekten und wenn Sie ihre Völkermord-Aktivitäten gegen die Republik Südsudan starten, um das Volk Südsudans zu töten, können wir Ihnen versichern, dass wir die Leben unserer Bürger schützen werden.»
Allerdings erklärte er auch, sein Land sei bereit, die Gespräche über alle ungeklärten Themen wieder aufzunehmen. Man sei nicht an Krieg interessiert. Südsudan hatte aber erklärt, sich erst aus Heglig zurückzuziehen, wenn die Uno dort Truppen stationiert habe.
Kriegstreiberei auf beiden Seiten
Seit der Abspaltung vor neun Monaten eskalieren die Spannungen zwischen den beiden Staaten, angefacht von Gebietsstreitigkeiten, ethnischen Vorurteilen und dem Streit um die Öleinnahmen. Die Ölindustrie, auf die die beiden armen Länder angewiesen ist, steht praktisch still.
«Seit der Abtrennung des Südens verlor der Sudan fast alle seine Öleinkünfte und damit seine wirtschaftliche Basis», sagte DRS-Afrikakorrespondent Patrick Wülser. Die Unzufriedenheit im Sudan sei sehr gross. «Ein Konflikt oder gar ein Krieg käme Bashir wahrscheinlich nicht ungelegen.»
Fairerweise müsse man aber auch sagen, so Wülser weiter, dass dies im Süden nicht völlig anders sei. «Der Süden hat nach 20 Jahren sein Feindbild verloren und die ethischen Auseinandersetzungen im Land haben deutlich zugenommen», so Wülser. «Also auf beiden Seiten wäre ein Krieg durchaus ein Mittel für eine innere Einigung.»
«Weltgemeinschaft hat Hausaufgaben nicht gemacht»
Südsudan hatte sich nach einer Volksabstimmung im vergangenen Juli von Sudan abgespalten. Die Abspaltung war im Friedensvertrag von 2005 verabredet worden, der den Konflikt zwischen der islamistischen Regierung in Khartum und den christlich-animistischen Rebellen im Süden nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieges mit etwa 2,7 Millionen Toten beendet hatte.
Die Weltgemeinschaft habe damals ihre Hausaufgaben «nicht ganz erledigt», sagte Patrick Wülser. «Man feierte vor neun Monaten in der südsudanesischen Hauptstadt Juba diesen jüngsten Staat Afrikas, aber wesentliche Fragen waren an diesem Tag nicht gelöst». Dazu zählten ungelöste Grenzfragen und der Streit um Ölreserven im Gebiet um Heglig. (luea, sda)
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