Bonität italienischer Firmen wird untersucht
Die Rating-Agentur Moody's prüft eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer staatlich kontrollierter italienischer Konzerne. Ein solcher Schritt werde derzeit für den Energie-Konzern Eni und den Versorger Enel erwogen, teilte Moody's mit.
Stark verschuldete Konzerne
Auch die Kreditbewertungen für das Rüstungsunternehmen Finmeccanica, den Stromnetzbetreiber Terna sowie die italienische Post seien auf den Prüfstand gestellt worden. Enel, Eni und Finmeccanica sind zu knapp einem Drittel in Staatshand. Seit der Übernahme des spanischen Konkurrenten Endesa ist Enel der am stärksten verschuldete Versorger in Europa.
Auch Provinzen und Gemeinden im Visier
Moody's Blick geht zudem Richtung Provinzen, Regionen und Städte. Viele dieser Gebietskörperschaften haben vor der Krise mit spekulativen Anlagevehikeln versucht, ihre Schulden abzubauen.
Gemeindepräsidenten reisten in jenen Zeiten nach London, um ihre Gemeindeschulden quasi zu verkaufen. Doch all diese Anlagen sind heute praktisch wertlos und die Gemeinden, Städte, Provinzen und Regionen stehen vor einem noch grösseren Schuldenberg als je zuvor.
Italienische Staatsanleihen unter Druck
Moody's hatte die Finanzmärkte erst am Freitag mit der Ankündigung aufgeschreckt, wegen der ungelösten Schuldenprobleme in Griechenland und den ungewissen Wachstumsaussichten Italiens eine Herabstufung der Bewertung italienischer Staatsanleihen zu prüfen. Geschieht dies, steigen die Zinsen, welche Rom für neue Kredite bezahlen muss.
Auch Standard & Poor's sieht die italienische Finanzlage mit Skepsis. Dagegen will Fitch nach eigenem Bekunden den Ausblick für das Land nicht senken.
1,9 Billionen Euro Schulden
Der italienische Staat ächzt unter einem gigantischen Schuldenberg: Mit einer Rate von etwa 120 Prozent im Vergleich zur Wirtschaftsleistung zählt das Mittelmeerland zu den am stärksten verschuldeten Staaten weltweit. Der angehäufte Schuldenberg Roms beträgt gegen 1900 Milliarden Euro.
Die Hälfte der Schuldner sind Italiener
Trotz der Warnschüsse der Ratingagenturen und der gigantischen Staatsverschuldung Italiens zeigt sich die Europäische Zentralbank optimistisch, dass das Land nicht in den Pleite-Strudel hineingezogen wird.
Die Wirtschaft des Landes habe Kraft, die Banken seien sicher, versichert sie. Zudem hat das italienische Volk rund die Hälfte der Schuldpapiere mit seinem Ersparten selber gekauft, das ist Weltrekord. Dass die Italiener nun wie Finanzinstitute gegen das eigene Land zu spekulieren beginnen, gilt als eher unwahrscheinlich. (pet, agom, dpa/reuters/sda)
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