Film-Tipp: Stone lässt noch mal den Gekko raus
Hat nur ein überlegenes Lächeln für den Newcomer übrig: Gordon Gekko (Michael Douglas, links) mit Jake Moore (Shia LaBeouf). (20th Century Fox)
Die beste Szene kommt gleich am Anfang: Gordon Gekko (Michael Douglas) wird aus dem Gefängnis entlassen. Zu den Habseligkeiten, die er zurückbekommt, gehören eine goldene Geldklammer ohne Banknoten und das graue Riesenhandy aus dem ersten Film.
Dann springt die Handlung sieben Jahre vorwärts ins Krisenjahr 2008, als in den USA die Immobilienblase platzte. Wieder gleitet die Kamera zu David Byrnes Musik über New Yorks Skyline. Die Twin Towers fehlen, aber die Wall Street ist noch da.
«Gier ist gut!»
Diesmal heisst der Jungbroker Jake Moore (Shia LaBeouf). Indem er sich auf grüne Firmen spezialisiert, wird er gleich zu Beginn als «Guter» ausgeschildert. Aber Achtung: Er ist mit Gordon Gekkos Tochter Winnie (Carey Mulligan) liiert.
Wo das hinführt, ist klar. Der idealistische Jungspund muss früher oder später dem ausgekochten Gekko begegnen, der in Anspielung auf sein Motto aus dem ersten Film ein Buch mit dem Titel «Ist Gier gut?» geschrieben hat.
Wall Street als blosse Kulisse
Der blauäugige Jake wird dabei vom alten Gekko nach Strich und Faden ausgenutzt, aber der junge Broker hält noch einen Trumpf in der Hand: Jake hat Winnie geschwängert. Kann er mit der Aussicht auf einen Enkel Gekko weichklopfen?
In «Wall Street: Money Never Sleeps» geht es eigentlich mehr um zwischenmenschliche Beziehungen als um eine brisante Analyse des maroden Finanzsystems. Die Wall Street bildet einfach die pittoreske Kulisse.
Geld schläft nie, aber...
Der zweite Teil erreicht leider nie das Niveau des ersten Films und wirkt in seiner Auflösung - Reichtum ist vergänglich, Familienwerte sind ewig - etwa so inspirierend wie das Happy End einer Familienserie aus den 70er Jahren.
Geld schläft nie, aber Kinobesucher mitunter schon. So langweilig wird «Wall Street: Money Never Sleeps» zwar nie, aber die Rasanz und Relevanz des ähnlich dialoglastigen Facebook-Films «The Social Network» erreicht Stones Film nie. (rb)
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